Hummer H2: Tahoe-Technik im Humvee-Look

Der Hummer H2 war kein Humvee. Gebaut hat ihn zwar AM General, die Firma, die für die US Army den Humvee fertigte, aber der Rahmen stammt aus dem Pickup-Regal von General Motors: vorn eine modifizierte 2500er-Struktur, hinten die eines 1500ers, dazwischen ein neues, geschlossenes Mittelteil.
Zwischen 2002 und 2008 verkaufte GM in den USA zusammen 151.426 Stück. Das Jahr 2003 brachte 34.529, das Jahr 2008 noch 6.095.
Vom Armee-Auftrag zum Tahoe-Cousin
Am 22. März 1983 vergab das Pentagon an AM General einen Auftrag über mehr als eine Milliarde Dollar für 55.000 Humvees. 1992 folgte die zivile Version namens Hummer, rund 8.000 Pfund schwer und mit weniger als 10 Meilen pro Gallone durstig. Im Dezember 1999 erwarb GM die Markenrechte; AM General baute weiter, nun für GM.
Den H2 zeigte GM im Januar 2000 als Konzept. Der Verkauf begann am 10. Juli 2002 mit einem Basispreis von 48.800 Dollar und 150 Händlern in den USA und Kanada. Der H1 hatte um die 110.000 Dollar gekostet, der H2 sollte etwa die Hälfte kosten. Montiert wurde er bei AM General in Mishawaka, Indiana, auf einer Plattform, die er mit dem Chevrolet Tahoe und dem GMC Yukon teilt.
Drei Antriebe, über drei Tonnen
Der Allradantrieb hat zwei Differenzialsperren und ein Reduktionsgetriebe, dazu elektronische Traktionshilfen. Die Bodenfreiheit beträgt 10 Zoll (25,4 cm). Der Wagen misst 4.820 mm in der Länge und 2.063 mm in der Breite, der Radstand liegt bei 3.117 mm (ADAC).
| Merkmal | 6,0 V8, 2003 | 6,0 V8, 2005 bis 2007 | 6,2 V8, 2008 und 2009 |
|---|---|---|---|
| Leistung | 316 hp (rund 320 PS) | 325 hp (329 PS) | 393 hp (398 PS) |
| Drehmoment | 360 lb-ft (488 Nm) | 365 lb-ft (495 Nm) | 415 lb-ft (574 Nm) |
| Getriebe | 4-Stufen-Automatik | 4-Stufen-Automatik | 6-Stufen-Automatik (6L80) |
| Leergewicht | 6.400 lb (2.903 kg) | 2.903 kg | 2.984 kg |
| Anhängelast | 7.000 lb laut MotorWeek | 6.500 lb laut GM | 8.000 lb (3.629 kg) |
| 0 auf 60 mph gemessen | 9,7 bis 10,7 s | 9,6 bis 9,9 s (SUT) | 7,1 s |
Beim ersten 6,0-Liter nennt The Auto Channel 315 hp, MotorWeek 316 hp, GM selbst 2005 dann 325 hp. Bei der Anhängelast steht gegen die 7.000 lb von 2003 die Aussage von GM, sie sei 2008 von 6.500 auf 8.000 lb gestiegen.
Der Sprung 2008 war groß: 20 Prozent mehr Leistung, dazu eine dritte Sitzreihe und Stabilitätsregelung mit Überrollschutz. Das schnellste unveränderte Serienauto war der 2008er mit 7,1 Sekunden von 0 auf 60 mph.
Verbrauch: gemessen 20 bis 25 Liter, offiziell nichts
Für den H2 gibt es keinen EPA-Verbrauch. Sein zulässiges Gesamtgewicht von über 8.600 lb (ADAC: 3.901 kg) befreit ihn von der Angabe; in der Liste für 2007 steht nur der kleinere H3 mit 15 mpg.
Gemessen wurde 11,5 mpg (MotorWeek, 2003), das sind umgerechnet 20,5 Liter auf 100 Kilometer. Autobild kommt im Alltag auf rund 25 Liter, im Gelände bis 50. Der ADAC nennt für den 6,0-Liter nach Norm 21,4 Liter und 512 g/km CO2, für den 6,2-Liter 432 g/km. Der Tank fasst 121 Liter: bei 25 Litern ergibt das gut 480 Kilometer Reichweite.
H2 SUT: Pickup mit Midgate
Ab dem Modelljahr 2005 gab es die Variante SUT, viertürig mit Ladefläche und klappbarem Midgate. Sie ist mit 203,5 Zoll (5.169 mm) deutlich länger als der SUV mit 189,8 Zoll, hat denselben Radstand und kostete als Basis 51.995 Dollar.
H1, H2, H3, GMC Hummer EV: wer ist wer
| Modell | Bauzeit | Eckdaten |
|---|---|---|
| Hummer H1 | zivil ab 1992, 2006 eingestellt | zivile Version des Humvee, rund 8.000 lb |
| Hummer H2 | 2002 bis 2009 | GM-Pickup-Rahmen, 6.400 lb, 6,0 und 6,2 Liter |
| Hummer H3 | ab 2005 | rund 4.800 lb, 15 mpg laut EPA (2007) |
| GMC Hummer EV | Auslieferung ab Dezember 2021 | Elektroantrieb, 1.000 hp, Marke GMC |
Der H1 ist der Humvee für die Straße, der H3 ein kleinerer Wagen. Den elektrischen Hummer baut GM im Werk Factory Zero in Michigan, und er läuft unter GMC. Technisch teilt er mit dem H2 nichts.
Von 34.529 auf 6.095, dann Schluss
| Jahr | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| H2 verkauft in den USA (Stück) | 18.861 | 34.529 | 28.898 | 33.140 | 17.472 | 12.431 | 6.095 |
Von 2005 auf 2006 brach der Absatz um 47 Prozent ein (Jahreswerte laut conceptcarz). Am 27. Januar 2009 stoppte AM General die H2-Fertigung und schickte 200 Mitarbeiter heim, „bis mindestens März“. Einen H2 des Modelljahrs 2010 gab es nicht.
Die Marke lebte noch ein Jahr. GM wollte sie an den chinesischen Maschinenbauer Tengzhong verkaufen, angeblich für 150 Millionen Dollar. Am 24. Februar 2010 scheiterte der Verkauf an der fehlenden Genehmigung, GM kündigte die Abwicklung an. Der ADAC führt den 6,2-Liter allerdings noch bis April 2010.
Ein H2 in Österreich: Preise, Mängel, Import
Laut AutoUncle standen im September 2026 vier H2 zum Verkauf, zwischen 14.175 und 28.331 Euro, mit 65.000 bis 249.092 km und den Baujahren 2003 bis 2008. Autobild nannte schon 2015 Preise ab 15.000 Euro. Der ADAC gibt den Listenpreis des 6,0 Luxury von 2007 mit 72.690 Euro an.
Autobild fand an einem 2005er mit 64.500 km (21.980 Euro) die typischen Schwächen: verschlissene Bremsbänder im Automatikgetriebe, Reparatur ab 2.700 Euro, ausgeschlagene Achsgelenke, defekte Gebläsemotoren (250 Euro), undichte Heizungskühler (rund 1.000 Euro) und mangelhaften Rostschutz, nachträglich für rund 1.000 Euro zu versiegeln.
Wer aus den USA einführt, zahlt laut ÖAMTC 10 Prozent Zoll und 20 Prozent Einfuhrumsatzsteuer, braucht ohne EU-Typgenehmigung eine Einzelgenehmigung und muss die NoVA zahlen: bis zu 30 Prozent plus CO2-Zuschlag. Die NoVA hängt am Normverbrauch; bei 512 g/km (6,0 V8, ADAC) dürfte sie hoch ausfallen.
Fragen zum Hummer H2
Wie viel verbraucht ein Hummer H2?
Gemessen 20 bis 25 Liter auf 100 Kilometer, im Gelände bis 50; der ADAC nennt nach Norm 21,4 Liter für den 6,0-Liter.
Wird der Hummer H2 noch gebaut?
Nein. AM General stoppte die Fertigung im Januar 2009, GM wickelte die Marke ab Februar 2010 ab.
Ist der GMC Hummer EV ein neuer H2?
Nein. Er ist ein Elektroauto von GMC mit 1.000 hp und teilt mit dem H2 nur den Namen.
Was kostet ein gebrauchter Hummer H2 in Österreich?
Bei AutoUncle lagen die Angebote im September 2026 zwischen 14.175 und 28.331 Euro.


