Monteverdi High Speed 375: Chrysler-V8, Frua, Fissore, Stückzahlen

Silberner Monteverdi High Speed 375 L auf einer Landstraße in hügeliger Landschaft

250 km/h und sechs Sekunden von 0 auf 100 versprach das Werk für den 375 S. Als auto motor und sport im Frühjahr 1972 einen 375 L maß, standen am Ende 229,3 km/h und 8,2 Sekunden. Bei den Stückzahlen ist die Lage noch unklarer: Für den 375 L stehen 66 und rund 100 im Raum, für die ganze Reihe bis zu 200.

Gesichert ist die Bauart. Ein Schweizer Ferrari-Händler stellte einen Chrysler-V8 in einen Rohrrahmen, ließ in Italien Karosserien darüberziehen und verlangte mehr als Ferrari.

Vom Ferrari-Importeur zum Autobauer in Binningen

Peter Monteverdi, 1934 in Binningen bei Basel geboren, übernahm mit 22 die Werkstatt seines Vaters und fuhr zwischen 1956 und 1961 rund 80 Rennen. Nach Angaben von Hagerty war er 1957 mit 23 Jahren der jüngste offizielle Ferrari-Importeur der Welt.

Warum das endete, erzählen die Quellen verschieden. Classic & Sports Car nennt als Auslöser Streit um eine Vorauszahlung für 100 Autos, Glion berichtet, Enzo Ferrari habe den jungen Schweizer für zu unerfahren gehalten. Der Concours of Elegance datiert den Konflikt auf 1965. Zwei Jahre später, am 11. September 1967, zeigte Monteverdi den 375 S in Binningen, danach auf der Frankfurter IAA.

Was die 375 im Namen bedeutet

Im Rohrrahmen arbeitete ein Chrysler 440 mit 7.206 cm³. Das Werk gab 375 bhp nach SAE bei 4.600/min und 481 lb-ft an, umgerechnet rund 380 PS und 652 Nm. Die Zahl im Namen steht laut Klassiekerweb für diese Leistungsangabe. Eine Classic-&-Sports-Car-Geschichte von 2009 deutet sie dagegen als Hubraum in Kubikzoll; das passt nicht zu einem 440er.

Hinten saß eine De-Dion-Achse, vorn Koni-Dämpfer, ringsum Girling-Scheibenbremsen; geschaltet wurde von Hand mit vier Gängen oder mit der Chrysler-Automatik TorqueFlite. Das Prinzip kennt man vom Facel Vega HK500 und vom Jensen Interceptor: Chrysler-Kraft unter europäischem Blech.

Zehn Frua-Coupés, dann der Streit um die Rechnung

Die Chassis entstanden in Binningen, gingen zu Pietro Frua nach Turin und kamen fertig karossiert zurück. Frua lieferte bis Mitte 1968 die ersten Karosserien. Als Monteverdi die Fertigung zu Fissore verlegte, ohne Frua zu entschädigen, zog dieser vor Gericht und ließ die Produktion blockieren. Fissore in Savigliano baute ab 1969 weiter, darunter den 375 L als 2+2.

Als der 375 L mit Fissore-Karosserie bei Autocar antrat, betonte Monteverdi laut Classic & Sports Car, der Testwagen sei der erste nach dem Wechsel des Karosseriebauers gewesen und habe deshalb Kinderkrankheiten.

Wie viele es gab: fünf Varianten, fünf Unsicherheiten

VarianteKarosserieStückzahl je nach Quelle
375 S, CoupéFrua10 laut Bonhams und auto motor und sport; andere Darstellungen nennen 11 oder 12
375 S, CoupéFissore6, zusammen 16 mit den Frua-Wagen (Bonhams); andere sprechen von 20
375 L, 2+2Fissore66 laut Baulisten (Classic & Sports Car 2025), davon neun Rechtslenker; sonst rund 100
375/4, LimousineFissorehöchste bekannte Zahl 28 (Secret Classics), „weniger als 30“ bei RM Sotheby's
375 C, CabrioletFissore2 laut Classic Trader; andere Quellen nennen 6

Die Baureihe als Ganzes beziffert ein Klassiker-Portal auf rund 200. Ein Besitzer hält laut Classic & Sports Car 2009 eher 50 für richtig; Peter Monteverdi nahm die Wahrheit 1998 mit ins Grab.

Werksangabe gegen Stoppuhr

QuelleModellHöchstgeschwindigkeit (km/h)Beschleunigung
Werk375 S2506 s auf 100 km/h
Autocar 1969375 L152 mph (rund 245)6,3 s auf 60 mph, Viertelmeile 14,6 s
auto motor und sport 1972375 L229,38,2 s auf 100 km/h

Die Autocar-Zahlen geben Classic & Sports Car 2025 und die Geschichte von 2009 wieder. Die deutsche Messung liegt rund 16 km/h unter der britischen, und auch bei der Leistung gehen die Angaben auseinander: Für die 375/4 nennt Secret Classics 340 PS, die Datenbank von auto motor und sport für die Limousine 310 PS.

Verwirrend wird es bei den Auktionstexten. RM Sotheby's beschreibt einen 375 L von 1971 mit 375 bhp, Bonhams führt mehrere Wagen mit einem 7,2-Liter-„Hemi“ und 450 PS. Ob solche Motoren ab Werk eingebaut wurden, bleibt offen; supercars.net erwähnt eine 426-Hemi-Option.

Was der 375 neu kostete

In der Schweiz kostete der 375 S bei der Markteinführung 1967 58.000 Franken, mehr als ein zeitgenössischer Ferrari oder Aston Martin. In Großbritannien lag der Einstieg 1970 bei 10.450 Pfund; die 2009er-Geschichte nennt für 1969 dagegen 10.250 Pfund. Ein Ferrari Daytona stand laut Below the Radar bei 6.700 Pfund, ein Lamborghini Espada bei 7.900.

Safari, Sahara, Range Rover und ein Formel-1-Fehlstart

Mit den Coupés blieb Monteverdi klein. 1976 folgte der Safari auf Basis des International Scout mit Fissore-Karosserie, als Alternative zum Range Rover; der Sahara war ein nur leicht umgestylter Scout. Ab 1980 baute Monteverdi den Range Rover selbst zum Viertürer um, Jahre bevor Land Rover einen anbot.

In der Formel 1 fuhr Peter Monteverdi 1961 beim Solitude-Rennen einen selbst gebauten MBM mit Porsche-Motor und schied nach zwei Runden aus. 1990 stieg er beim Onyx-Team ein; das Projekt hielt nur wenige Rennen. Die Autoproduktion endete 1982 laut Hagerty; die Auto Zeitung nennt 1984. Die Sammlung des 2016 geschlossenen Museums in Binningen zeigt die Stiftung seit 2017 im Verkehrshaus Luzern.

Zuschläge von 2005 bis 2023

AuktionWagenZuschlag
Gooding, Pebble Beach 2005375 S, 1969, Fahrgestell 1003100.000 Dollar
Bonhams, Goodwood, 11. Juli 2008375/S Series II, 1970, Fissore89.500 Pfund
RM Sotheby's, London 2016375 L, 1971, 51.043 km, Genfer Salon 1971156.800 Pfund
Bonhams, London, 6. Dezember 2017375 L, 1970, Rechtslenker57.500 Pfund
RM Sotheby's, Essen 2019375/4, 1970174.800 Euro
Bonhams, Gstaad, 3. Juli 2022375 S, 1969, Frua, Fahrgestell 1003230.000 Franken
Bonhams, Chéserex, 18. Juni 2023375 L, 1970, Fissore, ohne Limit155.250 Franken

Aus sieben Verkäufen in vier Währungen und drei Modellen lässt sich kein Marktpreis ableiten. Der Wagen von 2023 war restaurierungsbedürftig und auf 70.000 bis 100.000 Franken geschätzt, der Frua-Wagen von 2022 auf 70.000 bis 110.000 Franken. Gooding und Bonhams führen die Fahrgestellnummer 1003, nennen aber unterschiedliche Karosseriebauer, Fissore und Frua.

Fragen zum Monteverdi High Speed 375

Wie viele Monteverdi 375 gibt es?

Das ist ungeklärt. Für den Frua-375 S stehen 10 bis 12 Stück im Raum, für den 375 L 66 bis rund 100, für die Limousine bis 28.

Was kostete ein Monteverdi 375 neu?

58.000 Franken für den 375 S bei der Einführung 1967; in Großbritannien ab 10.450 Pfund im Jahr 1970.

Wie schnell ist der Monteverdi 375?

Das Werk gab 250 km/h an, gemessen wurden 229,3 km/h (1972) und rund 245 km/h (Autocar, 1969).

Was bedeutet 375 im Namen?

Nach den meisten Quellen die Werksleistung von 375 PS nach SAE des Chrysler 440.