Lotus Esprit Turbo: 210 bis 349 bhp, Bond-Auftritte und Zuschläge

Weißer Lotus Esprit Turbo mit rot-blauem Seitenstreifen und ausgeklappten Scheinwerfern auf nasser Landstraße in der Steiermark

Der berühmteste Lotus Esprit der Filmgeschichte war kein Turbo und konnte nicht einmal fahren. Das U-Boot aus „Der Spion, der mich liebte“ (1977) wechselte 2013 bei RM Sotheby's in London für 616.000 Pfund den Besitzer, laut NBC News inklusive Aufgeld 967.120 Dollar. Ein straßentauglicher Esprit Turbo SE von 1990 erzielte bei RM Sotheby's 2022 33.000 Dollar - rund ein Dreißigstel.

Dazwischen liegen 28 Baujahre und drei grundverschiedene Autos unter einem Namen: der Saugmotor-Keil von 1976, der Vierzylinder-Turbo ab 1980 und seit 1996 der V8. Wer Leistung, Preis oder Bond-Auftritt nennt, muss sagen, welchen er meint.

Giugiaro zeichnet, Chapman baut

Giorgetto Giugiaro zeigte den Esprit als Studie auf dem Turiner Salon 1972; Lotus nennt Paris 1975 als öffentliches Debüt der Serienfassung. Colin Chapman und Oliver Winterbottom überarbeiteten den Entwurf für die Produktion. Der erste Esprit hatte einen 1,97-Liter-Vierzylinder mit 160 bhp und kam ohne Turbo aus.

Ab 1987 zeichnete Peter Stevens die Karosserie neu; RM Sotheby's beschreibt das Ergebnis als Abkehr von Giugiaros „gefaltetem Papier“. Von den 10.675 gebauten Esprit tragen laut supercars.net 5.829 die Giugiaro-Linie und 4.846 die von Stevens.

Essex 1980: 45 Autos für rund 20.000 Pfund

Der erste Esprit mit Abgasturbolader entstand als Sondermodell. Im Frühjahr 1980 stellte Essex Petroleum, damals Sponsor von Team Lotus, den Essex Turbo Esprit in der Royal Albert Hall vor: 2.174 cm³, Garrett-T3-Lader mit 0,55 bar (8 psi), zwei Dellorto-Vergaser hinter dem Verdichter, 210 bhp bei 6.250/min und 200 lb-ft (umgerechnet rund 271 Nm). Lackiert wurde nur in Blau, Rot und Silber, der Preis lag bei etwa 20.000 Pfund, gebaut wurden 45 Stück.

Die Seltenheit schlägt sich nicht automatisch im Preis nieder: Beim Online-Verkauf von Bonhams The Market im August 2021 blieb das höchste Gebot bei 65.000 Pfund, die Schätzung lag bei 105.000 bis 150.000 Pfund. Der Wagen blieb unverkauft.

Ab April 1981 lief der Turbo Esprit in Serie, mit dem Essex-Motor und einem neuen, verzinkten Chassis. Er wog 1.148 Kilogramm und beschleunigte in 5,6 Sekunden auf 60 mph. Zur Stückzahl gibt es zwei Lesarten: supercars.net nennt für 1981 bis 1986 1.845 Autos (2.274 samt HC-Version), Lotus selbst führt für 1980 bis 1987 3.155 Turbo Esprit.

Von 210 auf 349 bhp: die Versionen im Vergleich

Die Werksdaten der gesamten Reihe sind in der Modellübersicht von lotusespritturbo.com aufgelistet; der Zuwachs von der ersten Turbo-Generation bis zum Schluss liegt bei fast 140 bhp:

VersionBauzeitLeistung (bhp)Drehmoment (lb-ft)0-60 mph (s)Spitze (mph)Stückzahl
Essex Turbo1980-812102005,615245
Turbo Esprit1981-862102005,6rund 1501.845
Turbo (Stevens-Karosserie)1987-912152205,51521.562
Turbo SE1989-932642614,91591.608
Sport 3001993-953002874,716164
V81996-20043492954,81751.231 plus 292 der Schlussserie
Sport 3501999-20013492954,717548 bis 50

Der Turbo SE war der Sprung. Seit Mai 1989 kühlt ein wassergekühlter Ladeluftkühler („Chargecooler“) die Ansaugluft; die Leistung stieg auf 264 bhp, kurzzeitig 280 bhp (30 Sekunden Overboost), umgerechnet etwa 268 PS. Dieselbe Quelle nennt 4,9 Sekunden und 159 mph und rückt den SE damit in die Nähe des damaligen Porsche 911 Turbo; supercars.net gibt 4,7 Sekunden und 160 mph an. Der Preis lag 1989 bei 42.500 Pfund.

Der V8 mit 3,5 Litern, zwei Garrett-Ladern und Flachkurbelwelle leistet 350 hp bei 6.250/min und 295 lb-ft (rund 400 Nm). Die Beschleunigung schwankt je nach Quelle von 4,4 bis 4,9 Sekunden; PistonHeads nennt weniger als 1.500 V8 insgesamt, der Neupreis 1996 betrug 60.000 Pfund. Im selben Jahr 1996 startete bei Lotus der kompakte Elise, der den entgegengesetzten Weg ging.

Zwei Bond-Esprit, nur einmal ein Turbo

Für „Der Spion, der mich liebte“ stellte Lotus laut RM Sotheby's zwei Serienautos und sieben Karosserieschalen aus Kunststoff bereit. Das U-Boot baute Perry Oceanographics in Florida, Kosten über 100.000 Dollar. Gezeigt wird ein weißer Esprit der ersten Serie, ein Turbo existierte 1977 noch nicht.

Den Turbo gab es erst 1981 in „In tödlicher Mission“. Zwei Esprit Turbo lieferte Lotus an die Produktion. Der erste, weiß mit roten Streifen, sprengt sich selbst, als ein Handlanger die Scheibe einschlägt. Der Ersatzwagen für Bond erschien kupferfarben mit Goldstreifen und Skiträger über dem Motordeckel in Cortina d'Ampezzo.

Was ein Esprit heute bringt

  • 30.000 Dollar für einen Turbo von 1986 mit 215 hp (Fort Lauderdale 2016).
  • 44.000 Dollar für einen Turbo von 1983 mit 32.000 Meilen, einer von 150 in diesem Jahr (Arizona 2017).
  • 33.000 Dollar für den Turbo SE von 1990 mit rund 29.000 Meilen (Fort Lauderdale 2022).
  • 112.000 Dollar für einen V8 SE von 2000 mit 80 Kilometern (Monterey 2018).
  • 44.250 Pfund für einen Sport 350 von 1999 mit 31.000 Meilen (Bonhams The Market 2021).
  • 184.800 Dollar für eine Final Edition von 2003 mit rund 12.000 Meilen (Monterey 2024).

Der Kaufpreis der Vierzylinder-Turbos täuscht über die Unterhaltskosten hinweg. PistonHeads nennt als Schwachstellen Motorlager, Wastegate, Chargecooler-Elemente und Wasserpumpe; der Zahnriemen ist alle 24.000 Meilen fällig. Beim V8 listet Classic & Sports Car eine Motorüberholung zwischen 10.000 und 15.000 Pfund auf, wenn der Wagen vernachlässigt wurde.

Die Auflage endete 2004 nach 28 Jahren und 10.675 Autos, gebaut in Hethel: 584 Arbeitsstunden pro Wagen, ein Esprit je Werktag. Zur Final Edition gibt es zwei Angaben: Lotus nennt 82, RM Sotheby's 79.

Fragen zum Lotus Esprit Turbo

Wie viel PS hat ein Lotus Esprit Turbo?

Der erste Turbo Esprit leistete 210 bhp (rund 213 PS), der Turbo SE ab 1989 264 bhp (rund 268 PS), der V8 349 bis 350 bhp.

Was kostet ein Lotus Esprit Turbo?

Bei RM Sotheby's erzielten straßentaugliche Esprit zwischen 30.000 Dollar (Turbo, 1986) und 184.800 Dollar (Final Edition, 2003).

Welcher Esprit fuhr in „In tödlicher Mission“?

Ein Esprit Turbo von 1981, ein zweiter Wagen ersetzte den gesprengten ersten. Das U-Boot von 1977 war ein Esprit der ersten Serie ohne Turbo.