Chinesische Autos in Österreich: Marktanteil, Zölle, Crashtests

Elektro-SUV ohne Markenemblem an einer Ladesäule vor einem steirischen Dorf

Von 212.140 Pkw, die in Österreich von Jänner bis August 2026 neu zugelassen wurden, trugen 18.130 eine chinesische Marke: 8,5 Prozent. Im gesamten Jahr 2025 kamen BYD, MG, Leapmotor, Jaecoo und Xpeng zusammen auf 13.324 von 284.978 Neuwagen, also 4,7 Prozent. BYD allein liegt mit 7.830 Zulassungen auf Rang 8 der Markenliste, hinter VW, Skoda, BMW, Audi, Seat, Mercedes und Cupra.

Gekauft wird trotzdem nie „ein chinesisches Auto“, sondern ein Modell mit einem bestimmten Importeur. Crashtest-Ergebnis, Zollsatz und Garantie unterscheiden sich von Marke zu Marke deutlich, und der EU-Zoll trifft nur reine Elektroautos, keine Hybride.

Marktanteil: wer in Österreich wirklich zählt

Die Neuzulassungstabelle von Statistik Austria für Jänner bis August 2026 (vorläufige Ergebnisse) und die Pressemappe zum Jahr 2025 liefern diese Werte:

MarkePkw Jänner bis August 2026Anteil an 212.140 (%)Pkw im Jahr 2025
BYD7.8303,76.899
MG4.4912,15.461
Leapmotor1.9290,9848
Jaecoo1.4730,762
Omoda1.2660,6nicht ausgewiesen
Xpeng7250,354
Chery4160,2nicht ausgewiesen
Summe18.1308,513.324 (ohne Omoda, Chery)

Nicht enthalten sind Volvo (3.123), Polestar (610) und Smart (374): Sie gehören chinesischen Konzernen, treten aber europäisch auf. Bei den reinen Elektroautos lag BYD im ersten Halbjahr 2026 laut Statistik Austria mit 9,8 Prozent auf Rang 4, hinter Tesla (10,6), Skoda (10,5) und BMW (9,9). Gezählt wird jede fabrikneue Zulassung, auch die kurzen Tageszulassungen.

Importeure, Händler, Werkstätten

Hinter den Marken stehen unterschiedliche Vertriebe, und davon hängt ab, wie weit die nächste Werkstatt entfernt ist. Laut der ÖAMTC-Reportage vom 20. August 2026 vertreibt die Denzel-Gruppe BYD und MG: BYD hat über 50 Standorte, MG 50 Vertriebspartner, fast alle mit Werkstatt. Leapmotor läuft über die Partnerschaft mit Stellantis, die 51 Prozent hält, und zählt rund 45 Händler, nicht jeder davon Servicepartner. Omoda und Jaecoo kommen auf 32 Partnerbetriebe, Xpeng auf knapp 20 Standorte, Nio auf drei Händler und zwei Vertragswerkstätten.

Als typische Schwächen nennt der ÖAMTC die nicht immer flächendeckende Ersatzteilversorgung, begrenzte Reparaturmöglichkeiten und fehlende Diagnose-Software im Pannenfall. Für Deutschland berichtet der ADAC von Lieferzeiten über mehrere Wochen, vor allem bei Karosserieteilen, was Unfallreparaturen deutlich verlängert. Das Netz zählt auch bei der Garantie: BYD knüpft sie im Garantiehandbuch an Wartung nach Plan in einer BYD-autorisierten Servicewerkstatt.

EU-Zölle: nur Elektro, nicht für alle gleich

Seit 30. Oktober 2024 gelten für neue reine Elektroautos aus China Ausgleichszölle, fünf Jahre lang (Durchführungsverordnung (EU) 2024/2754). Sie kommen zum regulären Zoll von 10 Prozent hinzu, und die Sätze hängen am Hersteller:

HerstellerAusgleichszoll zusätzlich zu den 10 % Regelzoll (%)
Tesla (Shanghai)7,8
BYD17,0
Geely18,8
übrige kooperierende Hersteller20,7
SAIC (MG gehört zu SAIC)35,3
nicht kooperierende Hersteller35,3

Hybride und Verbrenner fallen laut der Analyse der Kanzlei CMS nicht unter die Maßnahme, Range-Extender-Elektroautos schon. BYD führt neben dem rein elektrischen Dolphin auch den Dolphin G DM-i, einen Super Hybrid mit bis zu 105 km elektrischer Reichweite. Seit der Leitlinie der Kommission vom 12. Jänner 2026 kann ein Hersteller statt des Zolls einen Mindestpreis zusagen, und zwar je Modell und bezogen auf den Nettopreis, den der erste unabhängige Kunde in der EU zahlt. Eine solche Zusage hat die Kommission mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2026/328 vom 9. Februar 2026 angenommen, für den Cupra Tavascan von Volkswagen (Anhui).

Einen anderen Weg geht Xpeng: Vier Modelle (P7+, X9, G6 und G9) entstehen bei Magna Steyr in Graz, laut ÖAMTC, um Zölle zu umgehen. GAC baut dort seine Aion-Modelle.

Crashtests: fünf Sterne sind die Regel, nicht die Garantie

Der ÖAMTC-Cheftechniker sieht bei Verarbeitung und Lackqualität moderner chinesischer Autos oft Augenhöhe mit europäischen Marken und beim Crashtest mit wenigen Ausnahmen die Höchstwertung. Die Ergebnisse von Euro NCAP für Modelle, die in Österreich im Angebot sind:

ModellSterneTestjahrErwachsene (%)Kinder (%)Schwächere Verkehrsteilnehmer (%)Assistenzsysteme (%)
BYD Atto 35202291896974
BYD Dolphin Surf5202582867677
BYD Sealion 75202587937679
MG4 EV Urban5202587858580
MG HS5202490858374
MG ZS Hybrid4202475827376
MG 3 Hybrid4202574738169
Xpeng G65202488858175
Leapmotor C105202489857776
Omoda 9 PHEV5202590858180

Acht der zehn Modelle haben fünf Sterne, die beiden mit vier tragen das MG-Logo. Beim MG 3, mit 17.290 Euro dem billigsten Modell der ÖAMTC-Preisliste, versagte im Frontaltest die rechte Sitzschiene des Fahrersitzes, der Sitz verdrehte sich, der rechte Beinschutz des Fahrer-Dummys bekam die schlechteste Teilbewertung, poor (Bewertung vom September 2025). MG änderte die Serie, und Euro NCAP rief im Mai 2026 alle Halter eines vor August 2025 gebauten MG 3 dazu auf, die kostenlose Rückrufreparatur beim Händler machen zu lassen.

Zwei Einschränkungen beim Vergleich: Ein Rating gilt laut Euro NCAP bis zu sechs Jahre, und seit 2026 prüft das Protokoll in vier neuen Säulen. Der Leapmotor B05 hält mit fünf Sternen bei 66 Prozent Safe Driving, 77 Crash Avoidance, 92 Crash Protection und 89 Post Crash; diese Prozentwerte messen anderes als die Spalten der älteren Tests und lassen sich mit ihnen nicht vergleichen.

Garantie ist nicht Gewährleistung

Die Herstellergarantien klingen großzügig. BYD nennt im Garantiehandbuch sechs Jahre oder 150.000 km Grundgarantie, acht Jahre oder 250.000 km auf den Akku (bei mindestens 70 Prozent Restkapazität) und acht Jahre oder 150.000 km auf die Antriebseinheit. MG gibt sieben Jahre oder 150.000 km, Omoda und Jaecoo sieben Jahre. Das sind freiwillige Zusagen mit Bedingungen, vor allem dem Wartungsplan.

Daneben steht die gesetzliche Gewährleistung: Der Unternehmer haftet für Mängel, die bei Übergabe vorlagen und innerhalb von zwei Jahren hervorkommen (§ 10 Abs. 1 Verbrauchergewährleistungsgesetz, Fassung ab 1. Oktober 2026). Entscheidend ist, wer Ihr Vertragspartner ist: Beim Smart wird der Kaufvertrag nach Angaben des ÖAMTC direkt mit dem Hersteller geschlossen, bei anderen Marken steht im Kaufvertrag, ob der Händler verkauft. Der ADAC warnt für Deutschland, dass bei einem Marktrückzug des Herstellers niemand für Garantieansprüche haftet, wenn der Händler nicht selbst Vertragspartner ist, und die Pflicht zur Ersatzteillieferung dann entfällt.

Software, Assistenzsysteme und Daten

Übersensible Assistenzsysteme und fehlerhaft übersetzte Menütexte bemängeln ÖAMTC-Mitglieder häufig. Der ADAC kritisiert bei MG, GWM, Nio und BYD eigensinnige Spurhalter und eine schlechte Verkehrszeichenerkennung, beim Atto 3 außerdem missverständliche oder fehlende Übersetzungen. Bei Software gibt das Gesetz einen Mindestschutz: Wer ein Auto mit digitalen Elementen verkauft, muss notwendige Aktualisierungen bereitstellen, bei fortlaufender Bereitstellung mindestens zwei Jahre ab Übergabe (§ 7 Verbrauchergewährleistungsgesetz).

Wie ernst Behörden die Datenfrage nehmen, zeigen Beispiele aus dem Ausland, die das Industriemagazin aufführt: Polen sperrt in China gebaute Fahrzeuge seit Februar 2026 von geschützten Militäreinrichtungen aus, die USA beschränken Konnektivitätstechnik und Software für autonomes Fahren schrittweise ab Modelljahr 2027. China weist Spionagevorwürfe zurück.

Preis und Restwert

Ein Beispiel für Aktionspreise ist der BYD Dolphin Surf. Der ÖAMTC nennt 22.390 Euro Listenpreis, BYD Österreich wirbt mit einem Aktionspreis ab 17.990 Euro:

  1. 22.390 - 1.900 (E-Mobilitätsbonus PLUS) - 1.000 (Lease Bonus) - 500 (Versicherungsbonus) - 1.000 (Eintauschbonus) = 17.990 Euro.
  2. Lease Bonus gilt nur bei Leasing über Raiffeisen-Leasing, der Versicherungsbonus nur mit BYD Versicherung samt Haftpflicht und Kasko, der Eintauschbonus nur bei Abgabe Ihres bisherigen Pkw.
  3. Ohne diese drei Boni: 22.390 - 1.900 = 20.490 Euro, zuzüglich 690 Euro Österreich-Paket sind es 21.180 Euro. Mit allen vier Boni: 17.990 + 690 = 18.680 Euro (gültig bei Kaufvertrag bis 31. Dezember 2026).

Zum Restwert gibt es Zahlen aus Deutschland: Laut DAT und Automobilwoche sank er bei chinesischen Elektro- und Plug-in-Hybridautos von 61 Prozent Anfang 2024 auf 47,2 Prozent Anfang April 2026, im Gesamtmarkt dieser Antriebe nur um sieben Punkte. Der ADAC begründet die Unsicherheit mit offenen Fragen zu Ersatzteilen, Langzeitqualität und Nachfrage und hält es bei neuen China-Marken für sinnvoll, zu leasen statt zu kaufen.

Fragen zu chinesischen Autos

Welche chinesischen Automarken gibt es in Österreich?

Laut ÖAMTC BYD, MG, Leapmotor, Xpeng, Omoda, Jaecoo, Chery, Nio, Geely, GAC (Aion), Lynk & Co, Polestar und Smart; Lynk & Co, Polestar und Smart sitzen in Europa und gehören zum chinesischen Geely-Konzern (Smart gemeinsam mit Mercedes).

Was kostet das billigste chinesische Auto?

In der ÖAMTC-Übersicht (Stand August 2026) startet der MG 3 bei 17.290 Euro Listenpreis; der BYD Dolphin Surf kostet 22.390 Euro, mit allen Aktionsboni 17.990 Euro.

Warum ist BYD so billig?

Die ÖAMTC-Reportage führt eine nach Ansicht eines WIFO-Ökonomen massiv unterbewertete Währung an, dazu Überkapazitäten durch den schwachen chinesischen Markt, die den Export antreiben; das Fazit vieler Vergleiche lautet „nicht besser, aber günstiger“, bei teils besserer Serienausstattung.

Gelten die EU-Zölle auch für Hybride?

Nein, die Ausgleichszölle betreffen neue reine Elektroautos, einschließlich Range-Extender-Modelle.