Jeep Grand Cherokee: von Graz bis zum Hybrid, ZJ bis WL

101 Stück. So viele Grand Cherokee wurden 2024 in ganz Deutschland neu zugelassen, meldet auto motor und sport. Dabei lief der Jeep für Europa seit 1994 im Grazer Werk vom Band. Heute gibt es ihn hier nur noch als Plug-in-Hybrid, und Jeep hat das Ende angekündigt.
„Der Grand Cherokee“ kann deshalb vieles heißen: einen V8-Allradler der Neunziger, einen Diesel mit Mercedes-Motor, ein Zugfahrzeug für 3,5 Tonnen, einen 710-PS-Kompressorwagen oder ein Hybrid-SUV mit 17,3 Kilowattstunden. Ohne die Generation lässt sich keine Zahl einordnen.
Durch die Scheibe in die Cobo Hall
Chrysler fuhr den Grand Cherokee 1992 auf der Autoshow in Detroit durch eine Glasscheibe in die Lobby der Cobo Hall. Für eine teurere Enthüllung fehlte das Geld. Der erste Wagen (ZJ) trug acht Kühlergrillschlitze, bei allen späteren Jeeps sind es sieben. Anders als der Ford Explorer stand er auf einer selbsttragenden Karosserie statt auf einem Leiterrahmen; die Planung reichte bei American Motors bis 1983 zurück.
Das Spitzenmodell hieß 1998 5.9 Limited: V8 mit 5,9 Litern Hubraum, 245 hp (rund 248 PS) und 345 lb-ft (rund 468 Nm), vier Gänge, Quadra-Trac mit Untersetzung. Motor Trend maß 6,8 Sekunden auf 60 mph und 15,2 Sekunden über die Viertelmeile. Gebaut wurden 14.344 Stück für die USA; der Autopian nennt rund 20.000 weltweit. Den Titel „schnellster Serien-SUV“ behielt er nicht lange: Mercedes ML55 AMG und BMW X5 4.6is zogen vorbei.
Graz, Mercedes-Diesel und ein Allrad mit Sperren
In Graz teilte sich der Jeep die Linie mit der Mercedes M-Klasse. Die Teile lagen in grünen Behältern für Mercedes und blauen für Jeep, und weil der Grand Cherokee höher baut, passten weniger Wagen auf einen Transporter. Im März 2005 startete dort die Serienfertigung der dritten Generation, des WH.
Schon der Vorgänger WJ (ab 1999) brachte Quadra-Drive, eine Weiterentwicklung des Quadra-Trac. Den Diesel lieferte Mercedes: Der 2.7 CRD, ein Fünfzylinder mit 163 PS, brauchte 10,7 Sekunden auf 100 km/h, lief 185 km/h und kostete 2001 als Laredo 38.950 Euro, als Limited 47.290 Euro. Gebaut wurde er von November 2001 bis Mai 2005 in Graz.
Der WH-Diesel war ein Mercedes-V6 mit 160 kW (rund 218 PS) und 510 Nm schon bei 1.600/min. In Australien bekam nur er Quadra-Drive II mit Sperrdifferenzial vorn und hinten, der 4,7-Liter-V8 musste mit Quadra-Trac II auskommen. Der Diesel war dort mit 9,0 Sekunden auf 100 km/h schneller als der V8.
Drehregler und Luftfeder: das Gelände-Paket des WK2
Beim WK2 (Modelljahr 2011) standen drei Allradsysteme zur Wahl: Quadra-Trac I (permanent, einstufig), Quadra-Trac II (zweistufig) und Quadra-Drive II mit elektronisch geregeltem Sperrdifferenzial. Selec-Terrain stellt fünf Programme bereit - Sand/Mud, Sport, Auto, Snow, Rock - und koordiniert dafür bis zu zwölf Systeme von Motor bis Fahrwerk. Die Luftfederung Quadra-Lift hebt den Wagen von 8,1 Zoll (206 mm) auf 9,4 (239 mm) und 10,7 Zoll (272 mm); im Park-Modus sinkt er auf 6,6 Zoll (168 mm). Die Karosserie ist laut Hersteller um 146 Prozent verwindungssteifer als beim Vorgänger.
In Europa fuhr der WK2 ab 2013 mit dem 3.0 V6 MultiJet: 250 PS, 570 Nm, acht Gänge, 3.500 kg gebremste Anhängelast und 54.200 Euro als Limited. Im Datenblatt von auto motor und sport stehen 205 mm Bodenfreiheit und 508 mm Wattiefe.
Der Trackhawk: 710 PS für 119.900 Euro
Im zweiten Quartal 2018 kam der Trackhawk nach Europa. Der 6,2-Liter-Kompressor-V8 stammt aus dem Hellcat, den auch der Dodge Challenger trägt. Er leistet 710 PS und 868 Nm, beschleunigt in 3,7 Sekunden auf 100 km/h und läuft 289 km/h; autoplenum nennt 290. Der Wagen wiegt 2.531 kg, Brembo-Bremsscheiben messen vorn 400 mm, und die Anhängelast liegt bei 2,95 Tonnen. Automobile.at nennt 3,2 Tonnen. Beim Verbrauch stehen 16,8 Liter (auto motor und sport) gegen 17,1 Liter nach NEFZ (Autobild).
Beim Preis streuen die Quellen mit dem Jahr: 119.000 Euro in Deutschland 2018, 119.900 Euro bei automobile.at im selben Jahr, 131.900 Euro 2019 laut autoplenum, mindestens 132.900 Euro bei Autobild. Der Vergleich, den automobile.at zieht: Lamborghini Urus und Bentley Bentayga kosteten über 200.000 Euro. Der Grand Cherokee SRT mit 468 PS stand in der Ankündigung bei 87.900 Euro.
Der WL kam nur als Hybrid
Die aktuelle Generation (WL) gibt es in Europa ausschließlich als 4xe, im kurzen Radstand mit 4,90 Metern Länge und ohne dritte Sitzreihe. Ein 2,0-Liter-Turbo mit 200 kW (272 PS) und ein E-Motor mit 107 kW (145 PS) ergeben 380 PS und 637 Nm. Der Akku fasst 17,3 kWh und reicht 48 bis 51 Kilometer weit. In Österreich begannen die Preise 2022 bei 79.900 Euro; 2025 nennt auto motor und sport für Deutschland 99.900 Euro. Im Alltagstest von autonotizen.de verbrauchte der Wagen über 12 Liter.
Die Gelände-Technik blieb: Eine eigene Kupplung zwischen Verbrenner und E-Motor erlaubt rein elektrischen Allradbetrieb, die Wattiefe beträgt 61 Zentimeter. Der Trailhawk führt Quadra-Drive II und bis zu 27,8 Zentimeter Bodenfreiheit. Die Autozeitung hatte vor dem Marktstart 287 Millimeter gemeldet.
Gezogen werden darf weniger als früher. Der Diesel von 2013 schaffte 3.500 kg. Der Hybrid kommt bei 2.215 kg gebremst; AutoScout24 rundet auf 2,3 Tonnen, die Autozeitung hatte vorab 2,7 Tonnen genannt.
Anfang 2026 rief Jeep die Plug-in-Hybride zurück: weltweit rund 350.000 Wrangler und Grand Cherokee 4xe, in Deutschland 3.746 Fahrzeuge. Grund ist ein mögliches Brandrisiko im 17-kWh-Akku; intern waren 19 Brände dokumentiert. Bis zum Werkstattbesuch soll nicht geladen werden; ein Softwareupdate soll Schäden früh erkennen, bei Fehlern wird der Akku kostenlos getauscht.
Die Generationen nebeneinander
| Generation | Bauzeit | Kennzeichnende Variante | Leistung (hp, PS, kW) | Allrad |
|---|---|---|---|---|
| ZJ | 1993-1998 | 5.9 Limited (1998) | 245 hp (rund 248 PS) | Quadra-Trac |
| WJ | 1999-2005 | 2.7 CRD mit Mercedes-Fünfzylinder | 163 PS | Quadra-Drive |
| WH | 2005-2010 | 3.0 CRD mit Mercedes-V6 | 160 kW (rund 218 PS) | Quadra-Drive II |
| WK2 | 2010-2019 | 3.0 V6 MultiJet (ab 2013) | 250 PS | Quadra-Trac I/II oder Quadra-Drive II |
| WK2 | Europa ab 2018 | Trackhawk, 6,2-Liter-Kompressor-V8 | 710 PS | Allrad, bis 70 Prozent nach hinten im Track-Modus |
| WL | seit 2022 | 4xe, 2,0 Turbo plus E-Motor | 380 PS System | Quadra-Drive II (Trailhawk) |
Die Bauzeiten bis zum WK2 stammen von Autobild, das die Baureihe bis 2019 führt; ADAC nennt für den WK2 das Jahr 2021.
Wagoneer S statt Grand Cherokee
Jeep-Europa-Chef Eric Laforge begründete den Abschied laut ecomento damit, dass zwei ähnlich große SUV keinen Sinn ergäben. Nachfolger ist der elektrische Wagoneer S, ebenfalls 4,9 Meter lang. Als Zeitpunkt nannte er Ende 2025. Das Portal vol.at spricht von 2026 und führt es auf die fehlende EU-Zulassung des neuen Zweiliter-Turbos zurück. Die Nachfrage war klein: 101 Neuzulassungen in Deutschland 2024, 32 weitere von Januar 2025 an.
Fragen zum Jeep Grand Cherokee
Welcher Jeep hat einen Mercedes-Motor?
Der Grand Cherokee WJ als 2.7 CRD (Fünfzylinder, 163 PS) und der WH als 3.0 CRD (V6, 160 kW).
Wie viel darf ein Grand Cherokee ziehen?
Der Diesel von 2013 3.500 kg gebremst, der Trackhawk 2,95 Tonnen, der 4xe 2.215 kg.
Wird der Grand Cherokee in Europa noch verkauft?
Jeep hat den Auslauf für Ende 2025 angekündigt; vol.at nennt 2026. Ersetzt wird er durch den Wagoneer S.


