Jaguar: Von E-Type und Le Mans zum Elektro-Neustart

Jaguar E-Type Serie 1 Roadster in British Racing Green auf einer Landstraße in der Steiermark

Im Geschäftsjahr 2018/19 verkaufte Jaguar 180.198 Autos, so viele wie in keinem Jahr zuvor. Im Dezember 2025 lief in Solihull der letzte F-Pace vom Band, der letzte Verbrenner der Marke. Der Nachfolger, ein viertüriger Elektro-GT namens Type 01, soll am 6. Oktober 2026 in New York enthüllt werden.

Und James Bond? In „Die Another Day“ und „Spectre“ saß 007 im Aston Martin, die Jaguar fuhren die Schurken.

Von Blackpool nach Coventry: Beiwagen, Bürgschaft, Raubkatze

William Lyons und William Walmsley gründeten 1922 in Blackpool die Swallow Sidecar Company; das Startkapital deckte laut Grace's Guide eine Bürgschaft der Väter über 500 Pfund. 1928 zog der Betrieb nach Coventry. Das erste Auto mit dem Namen Jaguar erschien 1935, und 1945 firmierte das Unternehmen um, weil die Buchstaben „SS“ nach dem Krieg untragbar waren. 1948 folgte der XK120 mit Doppelnockenwellenmotor. Ron Sutton fuhr 1949 bei Jabbeke in Belgien mit einem XK120 132,6 mph (rund 213 km/h).

Le Mans: sieben Siege, 31 Jahre Pause dazwischen

Sieben Gesamtsiege zwischen 1951 und 1990 zählt Jaguar selbst. Der C-Type gewann 1951 (Peter Walker, Peter Whitehead) und 1953 (Duncan Hamilton, Tony Rolt), der D-Type dreimal in Folge von 1955 bis 1957. Zwischen dem letzten D-Type-Sieg und dem XJR-9 liegen rechnerisch 31 Jahre: Am 12. Juni 1988 siegten Jan Lammers, Johnny Dumfries und Andy Wallace und beendeten damit Porsches Serie. 1990 holte der XJR-12 den siebten Sieg.

E-Type: eine Nachtfahrt nach Genf und drei Stückzahlen

Am 15. März 1961 stand der E-Type in Genf, weil zwei Männer durch die Nacht gefahren waren. PR-Chef Bob Berry brachte das Coupé „9600 HP“ in Opalescent Gunmetal Grey „flat out“ hin. Als die Presse mehr Fahrten verlangte, als er geben konnte, schickte Lyons Testfahrer Norman Dewis mit dem grünen Roadster „77 RW“ hinterher: rund 700 Meilen in elf Stunden. In Genf gingen laut Hagerty über 500 Vorbestellungen ein, geplant waren 250 Autos.

Der Serie-1-Roadster hatte einen 3,8-Liter-Sechszylinder mit 265 bhp (rund 269 PS) und nach Werksangabe 150 mph (rund 241 km/h). Der Neupreis lag 1961 bei 2.250 Pfund. Erkennbar ist die Serie 1 an den Scheinwerfern unter Glasabdeckungen; die gab es bei fast allen Autos bis Anfang 1967.

Wie viele es gab, beantworten drei Quellen mit drei verschiedenen Zahlen:

QuelleSerie 1 (Stück)E-Type gesamt (Stück)
classicregister.com (Daten von xkedata.com)31.699nicht genannt
etypeuk.com (März 1961 bis Dezember 1968)33.20572.528 inklusive 13 Lightweight
supercars.net38.418rund 72.514

Bei Serie 1 liegen 6.719 Autos zwischen der niedrigsten und der höchsten Angabe. Etypeuk widerspricht sich zudem selbst: Seine drei Serien (33.205, 18.808 und 15.287) ergeben 67.300, also 5.228 weniger als die genannte Gesamtzahl. Ein rechtsgelenkter Roadster von 1961 in British Racing Green mit Heritage-Trust-Zertifikat erzielte 2024 in London bei RM Sotheby's 140.000 Pfund (Zuschlag).

Besitzer: Daimler, Leyland, Ford, Tata

1960 kaufte Jaguar die Automarke Daimler. 1966 folgte die Fusion mit der British Motor Corporation, 1968 der Eintritt in British Leyland, 1984 die Börsenplatzierung; Ford übernahm Jaguar in den Jahren 1989 und 1990. Laut ABC News zahlte Ford für Jaguar 2,5 Milliarden Dollar. Als Tata Motors im März 2008 Jaguar und Land Rover zusammen kaufte, waren es 2,3 Milliarden Dollar; Ford steuerte nach Tatas Meldung an die US-Börsenaufsicht rund 600 Millionen Dollar in die Pensionspläne bei.

Bond: Jaguar auf der falschen Seite

In „Die Another Day“ (2002) fährt der Schurke Zao einen XKR in dem Hellgrün, das Jaguar Racing in der Formel 1 trug. Jaguar Heritage nennt acht Filmwagen, vier davon mit Allradantrieb und Waffen (Gatling-Gewehr, Raketen im Kühlergrill, Werfer in den Türen). Petrolicious zählt dagegen zwei XKR, die für das Eis getunt wurden. Die Jagd auf dem gefrorenen See Jökulsárlón ging gegen Bonds Aston Martin Vanquish; beide Marken gehörten damals Ford.

In „Spectre“ (2015) jagt Mr. Hinx, gespielt von Dave Bautista, Bond durch Rom im C-X75. Williams Advanced Engineering baute sechs Filmwagen, vier davon für Stunts, mit einem Kompressor-V8 aus dem F-Type. Eines der Stuntautos fand bei RM Sotheby's in Abu Dhabi bei einer Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar keinen Käufer. Bonds eigene Wagen stehen im Porträt des Lotus Esprit Turbo.

Elektro-Neustart: vom Type 00 zum Type 01

Der Umbau lief in Etappen. Castle Bromwich stellte Ende Juni 2024 XE, XF und F-Type ein. Der Vertrag mit Magna Steyr lief im Dezember 2024 aus, womit E-Pace und I-Pace aus Graz verschwanden - jene beiden Modelle, die 2018/19 den Rekord trugen. Am 3. Dezember 2024 zeigte Jaguar in Miami das Konzept Type 00 mit Schmetterlingstüren und 23-Zoll-Rädern, ausdrücklich ohne Aussage zu Technik oder Verfügbarkeit.

Der Type 01 ist die Serienfassung. Jaguar nannte Ende März 2026 über 1.000 PS und über 1.300 Nm aus drei Motoren und die Enthüllung für September. Inzwischen steht der 6. Oktober in New York fest. Nach Autocar India sind über 700 km WLTP und 321 km Reichweite in 15 Minuten Ladezeit angepeilt, der Marktstart in der ersten Hälfte 2027. Der Preis ist offiziell offen: Robb Report rechnet mit rund 130.000 Dollar, Headlight mit rund 150.000 Dollar.

Fragen zu Jaguar

Wem gehört Jaguar?

Seit 2008 dem indischen Tata-Konzern, der Jaguar und Land Rover damals für 2,3 Milliarden Dollar von Ford übernahm.

Kann man noch einen neuen Jaguar kaufen?

Nur aus Lagerbestand: In den USA standen im Juli 2026 laut Carscoops über 900 Neuwagen bei Händlern, darunter rund 70 F-Type. Der Marktstart des Type 01 ist für die erste Hälfte 2027 angepeilt.

Ist Jaguar eine Luxusmarke?

Sie will es werden: Jaguar baut sich nach Electrek zur exklusiven Luxusmarke um, und der Type 01 zielt laut Headlight auf Bentley und Aston Martin.