AMC AMX/3: 340 hp, Zielpreis 10.000 Dollar, sechs Autos

Orangefarbener Mittelmotor-Prototyp im Stil des AMC AMX/3 auf einer Landstraße in der Steiermark mit blühenden Obstbäumen

Ein BMW-Bericht vom 10. April 1970 beruft sich auf eine interne Notiz vom 7. Januar, nach der das Programm beendet sei. Da hatte AMC den AMX/3 längst in Rom der Presse gezeigt. Warum das Projekt endete, bleibt offen; es gibt mehrere Erklärungen, und keine davon schließt die anderen aus.

Gebaut wurden sechs Autos, je nach Zählung sieben, und neun Fahrgestelle tragen die Nummern der Serie. Eines brachte im Januar 2017 bei Gooding & Company 891.000 Dollar; Motor1 hatte es vor der Auktion als möglichen teuersten AMC aller Zeiten angekündigt.

Teague gegen Giugiaro, Bizzarrini am Fahrwerk

Im Mai 1967 erlaubte Gerald Meyers dem Stylingchef Dick Teague und Bob Nixon, einen Mittelmotor-Prototyp vorzuschlagen. Im März 1968 traf Meyers auf dem Genfer Salon Giorgetto Giugiaro, im November kam dessen Styropor-Vorschlag in Detroit an. Gegen Teagues ausgearbeitetes Glasfasermodell blieb er laut amx3.org chancenlos. Giugiaros Firma Italdesign entwickelte trotzdem die selbsttragende Karosserie und prüfte sie auf dem Prüfstand.

Die Technik übernahm Giotto Bizzarrini, nachdem BMW abgelehnt hatte. Was von ihm stammt, ist umstritten: Carrozzieri Italiani hält nur die Federung für belegt und schreibt den Rahmen Italdesign zu. Viele Texte nennen ihn dennoch als Konstrukteur des ganzen Wagens. Die Prototypen entstanden in Livorno in der Autofficina von Salvatore Diomante, laut The Drive mit Karosserien von Italdesign. Bizzarrini kannte das Handwerk vom Iso Grifo, dessen Fahrgestell er ausgelegt hatte.

BMW fand die Schweißnähte zu schwach

Im März 1969 unterschrieb BMW einen Vertrag über 1,5 Millionen D-Mark, um Qualität und Fahrleistungen zu prüfen. Intern lief der Wagen als E18. Das Urteil nach dem ersten Prototyp im Juni 1969, so amx3.org: Die unteren Rahmenholme seien viel zu schwach und zu elastisch, beim Bremsen und Beschleunigen verstellten sie Hinterachse und Lenkgeometrie, Schweißpunkte rissen. BMW tauschte die Girling-Bremsen gegen ATE-Teile mit Vierkolbensätteln und belüfteten Scheiben aus. Im Dezember 1969 meldete BMW für Prototyp 2 eine um 50 Prozent höhere Steifigkeit als beim Mercedes-Vergleichswert.

Zehn Jahre später baute BMW mit dem M1 selbst einen Mittelmotor-Sportwagen mit Giugiaro-Karosserie.

Mit 340 hp auf 170 mph, bei 1.522 Kilogramm

Hinter den Sitzen arbeitet der AMC-V8 mit 6.383 cm³, 340 bhp bei 5.100/min und 430 lb-ft (583 Nm), dahinter eine Transaxle mit vier Gängen von OTO Melara. Der Wagen ist 4.460 Millimeter lang und hat 2.675 Millimeter Radstand. Beim Gewicht liegen drei Angaben nebeneinander:

GrößeAngabeHerkunft
Gewicht, trocken1.473 kgBerechnung Bizzarrinis, Dezember 1968 (amx3.org)
Leergewicht1.402 kg (3.090 lb)Datenblatt (supercars.net)
Gewicht, Monza-Wagen1.522 kg inklusive rund 50 kg BenzinMessung (amx3.org)
HöchstgeschwindigkeitZiel 160 mph (257 km/h), erreicht 170 mph (rund 274 km/h)Monza 1970 (Gooding über racecar.com)

0 auf 60 mph nennt My Car Quest mit 5,5 Sekunden, ohne Messquelle.

Zielpreis: fast das Doppelte einer Corvette

Das Preisziel lag bei 10.000 Dollar, das schreibt Motortopia nach einem Hemmings-Text, und selbst das erreichte das Team nicht. Sports Car Market nennt als letzte Schätzung 12.000 bis 14.000 Dollar. Was das hieß:

ModellPreis (Dollar)Vielfaches des Corvette-Coupés
AMC AMX, 19693.3950,65
Corvette Coupé, 19705.1921,00
AMX/3, Zielpreis10.0001,93
AMX/3, letzte Schätzung12.000 bis 14.0002,31 bis 2,70
De Tomaso Pantera, 197110.2951,98

Der AMX/3 hätte also rund dreimal so viel gekostet wie der AMX, auf dem sein Motor saß. Der Pantera kostete etwa so viel wie das Preisziel und stand als Ford-Produkt bei den Lincoln-Mercury-Händlern (erste Autos am 21. Mai 1971); in den USA kamen im ersten Jahr 1.007 Stück an. Auf den Pantera lief auch die Geschichte des De Tomaso Mangusta hinaus.

Fünf Erklärungen fürs Ende

Bizzarrini wollte den Wagen als „Sciabola“ in Europa verkaufen und baute nichts mehr; laut amx3.org fehlte ihm der Mut. Die Teile hätten verschrottet werden sollen, mehr als sechs Fahrzeuge überlebten.

Wo die Prototypen stehen

Nach amx3.org gibt es neun Fahrgestelle:

Nr.MerkmalVerbleib
01grün, unfertig in die USA1981 bis 1999 im Gilmore Museum eingelagert; 2019 an Michael Chetcuti und Kyle Evans (The Drive)
02Monza-Wagen, WTDO 363 2/55/55Januar 2017 für 891.000 Dollar bei Gooding; Klassensieg in Pebble Beach 2016
03rot, Presseauto 19701978 von Teague gekauft; 2013 nach Restaurierung von Ray Scarpelli gezeigt
04Turin 19701971 für 15.000 Dollar an Jerry Werden und William Demichieli, Werden noch Besitzer
05Silber, später gelb1978 von Teague gekauft; 2017 an Bernie und Joan Carl, Washington
06Sciabola, Turin 1976Verbleib bei amx3.org offen
07aus AMC-Teilen fertiggestelltRoland D'Ieteren, Autoworld in Belgien
08zum Iso Varedo umgebaut, 1972nicht verzeichnet
09„AMX Spider“D'Ieteren; ob original, ist umstritten

Angaben nach amx3.org und dessen Zeittafel. Zu Nr. 09 schreibt Historic Auto Pro, der Spider sei wohl in den 1990ern mit übrig gebliebenen Fahrwerksteilen entstanden. Der Klassensieg von Nr. 02 in Pebble Beach war laut Sports Car Market der erste eines AMC.

Fragen zum AMX/3

Wie viele AMX/3 wurden gebaut?

Offiziell sechs: fünf von Bizzarrini, einer aus Restteilen. Fahrgestelle gibt es neun.

Wer hat den AMX/3 entworfen?

Dick Teagues Team gewann gegen Giugiaros Vorschlag. Italdesign, Bizzarrini und BMW arbeiteten an Karosserie, Fahrwerk und Tests.

Was kostet ein AMX/3 heute?

Der letzte belegte Zuschlag: 891.000 Dollar im Januar 2017, bei einer Schätzung von 900.000 bis 1,3 Millionen.