BMW M1: Entstehung, Technik, Procar-Serie und Preise

Wie viele M1 es gibt, beantwortet jede Quelle anders: Die BMW Group Classic nennt 453 Einheiten für Straße und Rennstrecke zusammen, BMW Schweiz kam 2008 auf 445, RM Sotheby's auf 455, auto motor und sport auf 460. Wo die Quellen aufschlüsseln, steht dieselbe Zahl: 399 Straßenwagen.
Dabei war der M1 nie als Rarität gedacht. Die Gruppe-4-Regeln verlangten mindestens 400 Exemplare binnen 24 aufeinanderfolgenden Monaten, und BMW hatte zunächst 2.000 Straßenwagen eingeplant. Dass es bei knapp einem Fünftel blieb, hat mit Lamborghini zu tun.
Lamborghini fällt aus, vier Firmen springen ein
Die Gespräche mit Lamborghini begannen Ende 1975: Die Italiener kannten sich mit Kunststoffkarosserien aus, und ihr Werk in Sant'Agata war nicht ausgelastet. Die Form lieferte Giorgio Giugiaro von Italdesign, der auf der Turbo-Studie von 1972 des BMW-Designers Paul Bracq aufbaute und ihr ein kantiges Profil gab. Giugiaro zeichnete im selben Jahrzehnt auch den Lotus Esprit.
Im November 1977 schrumpfte die Planmenge von 2.000 auf 800 Straßenwagen. Als Lieferanten wegen ausbleibender Zahlungen Lamborghinis ihre Verträge kündigten, widerrief BMW den Auftrag am 19. April 1978. Danach entstand der Wagen in einer Kette: Den Gitterrohrrahmen baute Marchesi in Modena, die Kunststoffkarosserie T.I.R., ebenfalls Modena. Italdesign in Turin fügte beides zusammen und baute den Innenraum ein, Baur in Stuttgart montierte die komplette Mechanik. Der Zielpreis von 80.000 Mark ließ sich so nicht halten, am Ende standen 100.000.
Sechszylinder mit sechs Drosselklappen
Der M88 ist ein Reihensechszylinder mit 3.453 cm³ (Bohrung 93,4, Hub 84 Millimeter), vier Ventilen pro Zylinder und Trockensumpfschmierung. Eine mechanische Kugelfischer-Einspritzung füttert ihn über sechs Einzeldrosselklappen mit je 46 Millimetern Durchmesser, bei 6.500/min stehen 277 PS (204 kW) an, bei 5.000/min 330 Nm. Danach geht es bis zur Abregeldrehzahl von 7.000/min. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern rundum entspricht bis auf die Abstimmung dem des Gruppe-4-Wagens, die Zahnstangenlenkung arbeitet ohne Servo, und weil der M1 eine Allgemeine Betriebserlaubnis für die ganze Serie bekam, musste BMW Crashtests vorlegen.
Beim Tempo gehen Werk und Messung auseinander: 262 km/h und 5,6 Sekunden auf 100 gibt die BMW Group Classic an. Ein Test vom Herbst 1979, den BMW Schweiz zitiert, ermittelte 264,7 km/h. Dieselbe Basis trieb die Rennversionen an:
| Merkmal | Straße | Procar (Gruppe 4) | Gruppe 5 Turbo |
|---|---|---|---|
| Leistung | 277 PS bei 6.500/min | 470 PS (345 kW) bei 9.000/min | 850 PS (BMW Schweiz) bzw. bis 1.000 PS (BMW 2018) |
| Drehmoment | 330 Nm bei 5.000/min | 390 Nm bei 7.000/min | k. A. |
| Gewicht | 1.300 kg | 1.020 kg | k. A. |
| Höchstgeschwindigkeit | 262 km/h (Werk), 264,7 km/h (Messung) | rund 310 km/h mit längster Übersetzung | k. A. |
| Preis neu | 100.000 Mark (1978) | 150.000 Mark (Gruppe-4-Rennwagen ab Werk) | k. A. |
Das Straßengewicht stammt von auto motor und sport, die übrigen Werte aus dem Datenblatt von BMW Schweiz und der BMW-Mitteilung zum Procar Revival. Beim Gruppe-5-Turbo widersprechen sich 850 und 1.000 PS; beide Zahlen stammen von BMW.
Procar: Eine Rennserie, weil die Homologation fehlte
Die Verzögerungen in Italien kosteten BMW den Zeitplan. Die Homologation für Gruppe 4 kam erst am 1. April 1981, und neun Monate später war das Reglement schon wieder geändert. Also holte sich Motorsport-Chef Jochen Neerpasch mit Max Mosley und Bernie Ecclestone eine eigene Bühne: Die Procar-Serie lief 1979 und 1980 mit 19 Rennen im Vorprogramm europäischer Grands Prix. Die fünf schnellsten Formel-1-Fahrer des Freitagstrainings bekamen einen M1, dazu kamen 15 Tourenwagen-Spezialisten.
Das erste Rennen am 12. Mai 1979 in Zolder gewann Elio de Angelis, der vom 15. Startplatz kam. Vorne lagen zunächst Hans-Joachim Stuck und der Österreicher Markus Höttinger, bis beide in Runde zwölf kollidierten. Niki Lauda wurde 1979 mit drei Siegen in acht Rennen Meister, Stuck fehlten fünf Punkte. 1980 gewann Nelson Piquet die letzten drei Läufe und damit die Serie, vor Alan Jones und Stuck (BMW Schweiz). Danach war Schluss: BMW rückte mit den Turbomotoren für Brabham in die Formel 1 vor. In der Gruppe 5 siegte Stuck später im Schnitzer-M1 auf dem Nürburgring und am Salzburgring.
Fünf Quellen, fünf Summen
| Quelle | Straßenwagen (Stück) | Rennversionen (Stück) | Summe (Stück) |
|---|---|---|---|
| BMW Group Classic (2017) | k. A. | k. A. | 453 |
| BMW Schweiz (2008) | 399 | 46 | 445 |
| RM Sotheby's (2026) | 399 | 56 | 455 |
| auto motor und sport | k. A. | k. A. | 460 |
| Autobild | k. A. | 50 | 450 |
Broad Arrow spricht von 54 gebauten Procar. Rechnerisch ergeben 399 Straßenwagen plus 54 Procar genau die 453 von BMW. Ob die Gruppe-5-Umbauten dort mitgezählt sind, lassen die Quellen offen.
Was der M1 neu kostete
BMW Schweiz rechnet vor, dass die 100.000 Mark von 1978 vier BMW 323i entsprachen. Das Magazin Radical nennt für den Marktstart 1979 dagegen 113.000 Mark; zwischen beiden Angaben liegt ein Jahr, ob eine Preiserhöhung dahintersteckt, ist nicht belegt. In der Schweiz kostete der M1 knapp über 100.000 Franken, ein Porsche 911 Turbo 80.100, ein Ferrari 512 BB 89.400. Der Preis war laut Radical ein Grund, warum sich der M1 kaum verkaufte; in den frühen Achtzigern gab es teils hohe Nachlässe.
Was ein M1 heute erzielt
Die Ergebnisse von 2025 und Anfang 2026 liegen bei Straßenwagen zwischen rund 400.000 und 630.000 in der jeweiligen Währung:
| Auktion | Fahrzeug | Ergebnis |
|---|---|---|
| RM Sotheby's London 2025 | Toprot, 44.126 km, seit 1987 in Großbritannien | 398.750 Pfund |
| RM Sotheby's München, 18. Oktober 2025 | Spitzenlos der Sammlung „The Best of M“ mit 22 Wagen | 567.500 Euro |
| RM Sotheby's Arizona 2026 | Blau, rund 15.600 km, 42 Jahre bei Pink-Floyd-Gründer Roger Waters | 604.500 Dollar |
| RM Sotheby's Monterey 2025 | Rot, 6.255 km, Erstbesitzer in Mexiko | 626.500 Dollar |
| Broad Arrow Villa d'Este, 24. Mai 2025 | M1 in Procar-Spezifikation von BMW Motorsport | 602.500 Euro |
| Broad Arrow Monterey, 14. August 2025 | Ungefahrener Procar, an Vasek Polak geliefert | 1,6 Millionen Dollar Hammerpreis, 1,76 Millionen mit Aufgeld |
Die beiden Wagen mit weniger als 16.000 Kilometern erzielten über 600.000 Dollar. Der Londoner M1 mit 44.126 Kilometern war der günstigste und brauchte laut Katalog leichte Inbetriebnahme vor der Straßenfahrt.
Erste Eigenentwicklung, aber nicht der einzige
BMW formuliert vorsichtiger als der Volksmund. Der M1 war laut BMW das erste von Grund auf für die Rennstrecke entwickelte und auch in einer Straßenversion produzierte Modell der Motorsport GmbH und der schnellste deutsche Seriensportwagen seiner Zeit. Von einem einzigen Supersportwagen ist dort keine Rede. Der Z8 kam 5.703-mal mit 400 PS, der i8 lief von März 2014 bis Juni 2020 20.465-mal in Leipzig vom Band. Gegen 5.703 und 20.465 wirken die 453 M1 selten. Und sein Motor lebte weiter: Der M88 steckte ab 1984 im M635CSi und im M5 mit 286 PS.
Fragen zum BMW M1
Wie viel PS hat der BMW M1?
Die Straßenversion leistet 277 PS (204 kW) bei 6.500/min, der Procar-Rennwagen 470 PS.
Wie viele BMW M1 wurden gebaut?
399 Straßenwagen; die Gesamtzahl mit Rennversionen liegt je nach Quelle zwischen 445 und 460, BMW selbst nennt 453.
Hat der BMW M1 Procar eine Straßenzulassung?
Der Procar ist ein Gruppe-4-Rennwagen. Die Allgemeine Betriebserlaubnis galt für die Serienversion; bei umgebauten Fahrzeugen entscheiden die Papiere des einzelnen Wagens.
Wie viel kostet ein BMW M1?
Neu 100.000 Mark (1978). 2025 und Anfang 2026 erzielten Straßenwagen zwischen 398.750 Pfund (London) und 626.500 Dollar (Monterey), der ungefahrene Procar 1,6 Millionen Dollar.


