Steyr-Puch Haflinger: 27 PS, 65 Prozent Steigung, 16.647 gebaut

Im Prospekt des Haflinger 700 AP (Druckvermerk 2/67) stehen 635 Kilogramm Eigengewicht, 27 DIN-PS und eine „größte Steigfähigkeit auf trockenem, griffigem Boden im 1. Gang ca. 65 %“. Das sind rechnerisch gut 33 Grad, und die Bedingungen stehen dabei: trocken, griffig, erster Gang. Zu haben war dieses Versprechen 1959 für 60.000 Schilling.
Gebaut wurde der Steyr-Puch Haflinger von 1959 bis 1974, 16.647-mal. Rund um diese Eckdaten gehen die Angaben auseinander: beim Entwicklungsbeginn, bei den Abnehmerzahlen und bei den Messwerten.
Jeep-Ersatz aus Graz-Thondorf
Das Bundesheer fuhr nach dem Krieg Willys-Jeeps. Als es einen leichten Ersatz für Almwege und Passstraßen suchte, ging der Auftrag laut Motor1 an Erich Ledwinka. Der Sohn des Tatra-Konstrukteurs Hans Ledwinka war von 1950 bis 1976 Chefingenieur bei Steyr-Daimler-Puch. Gefertigt wurde in Graz; im Werk Thondorf entstanden nach dem Krieg laut Austria-Forum auch Pinzgauer und Puch G.
Der Beginn der Entwicklung ist umstritten. Das Johann Puch Museum nennt 1956, der Standard spricht von Prototypen aus 1957, und der Verband IFEM verzeichnet die ersten Pressebilder im Juni 1958. In Serie ging der Wagen 1959 als Typ 700 AP. Am 25. März 1960 übernahm das Bundesheer laut IFEM die ersten 100 Stück.
Den Namen lieh sich Steyr-Puch bei einer Pferderasse, deren Heimat laut der Tiroler Tageszeitung im heutigen Südtirol liegt.
Ein Rohr, zwei Sperren, Vorgelege in den Naben
Das Rückgrat ist ein Zentralrohr, der luftgekühlte Boxer sitzt im Heck. Laut Prospekt hat er 80 Millimeter Bohrung, 64 Millimeter Hub, 643 cm³ und ein Verdichtungsverhältnis von 1:8,0. Die Antriebswellen enden in Stirnradvorgelegen in den Radnaben, die Achsmitte liegt also über der Radmitte. So bleiben 240 Millimeter Bodenfreiheit unter dem Ausgleichsgetriebe, obwohl die Reifen nur das Format 165-12 haben.
Beide Differentiale lassen sich während der Fahrt einzeln sperren, der Vorderradantrieb wird per Handhebel zu- und abgeschaltet. Das Fünfganggetriebe ist vollsynchron, der erste Gang übersetzt 6,83 und erlaubt 3,3 km/h. Straßenverbrauch laut Werk: 9 Liter auf 100 Kilometer, im Gelände 3 bis 5 Liter pro Stunde. Rechnerisch trägt jedes PS 23,5 Kilogramm Leergewicht. Die Zuladung von 515 Kilogramm entspricht 81 Prozent des Eigengewichts.
Der Radstand von 1.500 Millimetern (auf Wunsch 1.800) bei 2.830 Millimetern Länge lässt für beide Überhänge zusammen nur 1.330 Millimeter. Wie das die Rampenwinkel bestimmt, rechnet der Ratgeber zu Winkel, Bodenfreiheit und Anbauten vor. Einen anderen Weg ins Gelände geht der Iveco Massif mit Leiterrahmen und zwei Blattfeder-Starrachsen; der Haflinger federt jedes Rad einzeln an gegabelten Pendelachsen mit 200 Millimetern Federweg laut Prospekt.
Prospekt gegen Armeedatenblatt
Die Zahlen des Herstellers und die anderer Quellen passen selten zusammen. Die Schweizer Armee führte ihn als Modell 67:
| Merkmal | Prospekt (2/67) | Andere Angabe |
|---|---|---|
| Leistung | 27 DIN-PS bei 4.800/min | 24 PS bei 4.800/min (Schweizer Armee); 22 PS bei 4.500/min (IFEM) |
| Drehmoment | 4,5 mkg (rund 44 Nm) bei 3.500/min | 42 Nm bei 3.500/min (Schweizer Armee) |
| Leergewicht | 635 kg | 760 kg (Schweizer Armee); 610 kg (IFEM) |
| Zuladung | 515 kg einschließlich Fahrer | 490 kg (Schweizer Armee); 500 kg (Prototypen laut Standard) |
| Höchstgeschwindigkeit | 75 km/h | 64 km/h im 4. Gang (Schweizer Armee) |
| Federweg je Rad | 200 mm | rund 25 cm je Halbachse (Motor1) |
| Wattiefe | 350 mm | 350 mm (Schweizer Armee); 350 bis 500 mm (IFEM) |
| Bodenfreiheit | 240 mm | 230 mm vorn, 210 mm hinten (Schweizer Armee) |
Die Leistung stieg im Lauf der Bauzeit von 22 über 24 auf 27 PS, das Johann Puch Museum nennt 24 PS „später 27“. Der Prospekt zeigt vier Aufbauten: Grundausführung ohne Rücksitz, kurzes und großes Planenverdeck sowie festes Fahrerhaus.
Wer die Haflinger abnahm
Von 1959 bis 1964 gingen 2.918 Haflinger an das Bundesheer, überwiegend als Beobachtungs-, Funk- und Fernsprechfahrzeuge. Den größten Einzelkunden stellte die Schweiz, aber über ihre Zahl streiten die Quellen:
| Abnehmer | Stückzahl | Anteil an 16.647 (gerechnet) |
|---|---|---|
| Bundesheer, 1959 bis 1964 | 2.918 | 17,5 % |
| Schweizer Armee, Summe der drei Lose (1.500 ab 1961, 1.746 sechs Jahre später, 200 mit PAL-Aufbau) | 3.446 | 20,7 % |
| Schweizer Armee laut IFEM | 4.535 | 27,2 % |
Das Johann Puch Museum nennt für die Schweiz rund 4.000. Nach dem Datenblatt der Armee liefen die 1.746 Fahrzeuge des Modells 67 von 1967 bis 1994, bei Mitrailleur- und Minenwerferkompanien sowie in den Feuerleitbatterien der Gebirgsdivisionen. Weitere Heere waren die australische und britische (Silodrome); die Royal Navy setzte ihn laut Motor1 als Zugmaschine auf Flugzeugträgern ein.
Im zivilen Alltag landete der Haflinger in der Forstwirtschaft, ein im Manro-Museum gezeigter Wagen von 1970 arbeitete sein Leben lang auf Forstbetrieben in Österreich. Als Feuerwehrfahrzeug fand er laut Allison in Skigebieten der Alpen Verwendung.
Pinzgauer: gleicher Konstrukteur, Motor vorn
Ab 1971 baute Steyr-Daimler-Puch den Pinzgauer, bei dem der Motor nach vorn wanderte: ein luftgekühlter 2,5-Liter-Vierzylinder mit 95 PS. Auch ihn entwarf laut Motor1 Erich Ledwinka. Der Haflinger lief noch drei Jahre parallel. Im selben Werk begann im Februar 1979 die Fertigung des Mercedes G.
Was ein Haflinger heute kostet
Seit 2020 lagen die Zuschläge laut The Classic Valuer zwischen 7.920 und 37.212 Pfund, der Median bei 16.544 Pfund. Bei Artcurial wurde im Februar 2025 das 48. gebaute Fahrzeug verkauft, im Oktober 1959 vom Band gelaufen, als Prototyp für den US-Markt umgebaut und 1960 nach Italien geliefert. Es erzielte 21.456 Euro bei einer Schätzung von 28.000 bis 38.000 Euro. Ein Serie-2-Wagen von 1972, 2006 restauriert, brachte bei RM Sotheby's 2017 in Auburn 7.700 Dollar.
Das Puchmuseum in Judenburg zeigt laut MeinBezirk viele Haflinger, darunter den Wagen mit der Produktionsnummer 8. Am 15. August startet dort die Puch-Parade.
Fragen zum Steyr-Puch Haflinger
Wie viele Haflinger wurden gebaut?
16.647 zwischen 1959 und 1974. Andere Quellen runden auf 16.600 bis 16.700.
Wie hoch ist die Steigfähigkeit?
Laut Prospekt von 1967 rund 65 Prozent auf trockenem, griffigem Boden im ersten Gang.
Was kostete ein Haflinger neu?
1959 rund 60.000 Schilling für ein normales Fahrzeug.
Wie schnell fährt ein Haflinger?
75 km/h mit 27 PS laut Prospekt. Frühe Wagen mit 24 PS kamen je nach Stirnradgetriebe auf bis zu 64 km/h.


