Mercedes-Maybach G 650 Landaulet: 99 Stück, gebaut in Graz

630.000 Euro netto verlangte Mercedes 2017 für den Maybach G 650 Landaulet, mit Mehrwertsteuer waren es 749.700 Euro. Den 99. und letzten Wagen ersteigerte im Oktober 2017 ein belgischer Sammler für 1,2 Millionen Euro. Im September 2026 erzielte ein Wagen mit 200 Kilometern auf dem Tacho bei RM Sotheby's 612.500 Euro, weniger als der Nettolistenpreis von damals.
Gebaut wurde der Wagen im Grazer G-Werk: mbpassion und leadersnet.at nennen Magna Steyr in Graz als Hersteller.
Vorne geschlossen, hinten offen
Ein Landaulet hat laut Goodwood einen geschlossenen Fahrerbereich und einen offenen Fond, eine Bauform aus der Vorkriegszeit. Beim G 650 sitzen Fahrer und Beifahrer unter einem festen Dach, über den Fondpassagieren öffnet sich ein elektrisches Stoffdach. Dessen Faltvorgang dauert laut Autohaus 30 Sekunden.
Vorgestellt wurde der Mercedes-Maybach G 650 Landaulet im März 2017 in Genf. Schon im Februar hatte G-Klasse-Verantwortlicher Gunnar Güthenke Journalisten in einem südafrikanischen Wildreservat gesagt, er wolle nicht mehr als 99 Stück bauen; das Fahrgefühl im Fond nannte Autohaus „königlich“. RM Sotheby's bezeichnet ihn als ersten Allradwagen unter dem Namen Mercedes-Maybach.
Der Radstand misst 3.428 Millimeter, das sind laut auto motor und sport 578 Millimeter mehr als bei der normalen G-Klasse mit 2.850. Die Länge beträgt 5.345, die Höhe 2.235 Millimeter. Hinten sitzen zwei Einzelsitze aus der S-Klasse mit Massagefunktion, davor trennt eine elektrisch abdunkelbare Trennwand die Chauffeurkabine ab. Zwei 10-Zoll-Bildschirme gehören zum Fond.
Zwölf Zylinder auf Portalachsen
Unter der Haube arbeitet ein 6,0-Liter-V12 mit zwei Turbos: 630 PS und 1.000 Nm. RM Sotheby's nennt dieselbe Leistung als 621 PS, gemeint sind hp; 630 PS entsprechen rechnerisch 621 hp. Eine Siebengang-Automatik verteilt die Kraft auf alle vier Räder, drei Differenziale lassen sich zu 100 Prozent sperren.
Die Portalachsen stammen aus dem G 63 AMG 6x6 und dem G 500 4x4². Sie setzen die Räder tiefer als die Achsmitte und heben den Wagen auf 450 Millimeter Bodenfreiheit; der Fließtext von leadersnet.at spricht dagegen von rund 500 Millimetern. Die Reifen haben das Format 325/55 R 22.
Das Gewicht gibt Autohaus mit 3,3 Tonnen an, leadersnet.at mit 3.300 Kilogramm. Daraus ergeben sich rechnerisch gut 190 PS je Tonne; der G 65 AMG mit demselben Motor kommt auf rund 240. Güthenke nannte vor der Premiere 180 km/h Spitze, RM Sotheby's schreibt „unter sechs Sekunden“ von 0 auf 100 km/h. Der G 65 AMG lief laut auto-data.net 230 km/h und brauchte 5,3 Sekunden.
Graz: dritter Extremling in vier Jahren
Zwischen 2013 und 2017 entstanden in Graz drei Sondermodelle, die mit der Serie wenig gemein haben. Der 6x6 geht auf einen Sechsradantrieb zurück, den Mercedes seit 2007 für die australische Armee entwickelte; Autozeitung beschreibt ihn als Nebenprodukt dieser Arbeit, entwickelt in Stuttgart und bei Magna in Graz. Der G 500 4x4² verkürzte die Länge nach Autobild von 5,88 auf 4,62 Meter und behielt die Portalachsen.
Dass Graz ein Geländewagenwerk ist, hat Tradition: Die Vorgeschichte reicht über den Steyr-Puch Haflinger zurück, und wie die G-Klasse 1979 nach Thondorf kam, steht im Porträt der G-Klasse. Einen anderen Zwölfzylinder-Geländewagen mit Extrempreis zeigt das Porträt des Lamborghini LM002.
Landaulet gegen 6x6, 4x4² und G 65 AMG
| Modell | Jahr | Motor | Leistung in PS | Länge in mm | Gewicht in kg | Listenpreis Deutschland in Euro | Euro je PS (gerechnet) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mercedes-AMG G 65 | 2012 | V12, 5.980 cm³ | 612 | 4.662 | 2.505 bis 2.600 | ab 264.180 | 432 |
| G 63 AMG 6x6 | 2013 | V8, 5.461 cm³ | 544 | 5.875 | 3.775 oder 4.083 | rund 400.000 | 735 |
| G 500 4x4² | 2015 | V8, 4,0 l | 422 | 4.620 | rund 3.000 | 226.100 | 536 |
| Mercedes-Maybach G 650 Landaulet | 2017 | V12, 6,0 l | 630 | 5.345 | 3.300 | 749.700 (netto 630.000) | 1.190 |
Zwei Zahlen stehen gegeneinander: Das Leergewicht des 6x6 liegt bei Autozeitung bei 3.775 Kilogramm, das Saratoga Automobile Museum nennt 4.083. Beim G 65 AMG sind es nach auto-data.net 2.505 Kilogramm, nach Autobild 2,6 Tonnen. Den G 500 4x4² schätzte Autobild beim ersten Fahrbericht noch auf „knapp 300.000 Euro“; bestellbar war er im Juni 2015 für 226.100.
Je PS kostet der Landaulet gerechnet mehr als das Doppelte des G 500 4x4² (1.190 gegen 536 Euro), bei denselben Portalachsen. Zur Stückzahl: Vom G 65 AMG gab es zum Schluss eine Final Edition mit 65 Exemplaren, vom Landaulet insgesamt 99.
Vom Wohltätigkeits-Zuschlag zu 612.500 Euro
Der 99. Wagen war nach Autoguide der einzige, der in Genf nicht verkauft wurde: 98 Käufer fanden sich dort, Maybach stiftete den letzten Wagen für Bonhams. Der Erlös ging an die Laureus Sport for Good Foundation. Seither tauchen gebrauchte Wagen bei RM Sotheby's auf:
- 9. Oktober 2017: 1,2 Millionen Euro, Bonhams, The Zoute Sale, Belgien, der 99. Wagen, neu
- 8. März 2024: 792.500 Dollar, RM Sotheby's Dubai, 2.069 Kilometer, erstmals im April 2018 in Frankreich ausgeliefert
- 1. Dezember 2024: nicht verkauft, RM Sotheby's Dubai, Schätzung 650.000 bis 750.000 Dollar (550.000 bis 650.000 Euro), 2.338 Kilometer, drei Besitzer
- September 2026: 612.500 Euro, RM Sotheby's, Sammlung Willy Michiels, Aalst, 200 Kilometer, neu nach Belgien bestellt
Der Zuschlag vom September 2026 liegt in der Spanne, die RM Sotheby's im Dezember 2024 als Euro-Schätzung angab. Die 1,2 Millionen Euro von 2017 lagen beim Fast-Doppelten des Nettolistenpreises von 630.000 Euro.
Fragen zum Mercedes-Maybach G 650 Landaulet
Wie viele G 650 Landaulet wurden gebaut?
99 Stück, so die Begrenzung seit der Premiere im März 2017 in Genf.
Was kostete der G 650 Landaulet neu?
630.000 Euro netto, 749.700 Euro mit Mehrwertsteuer (Deutschland, 2017).
Wo wird der Maybach G 650 Landaulet gebaut?
Bei Magna Steyr in Graz, wo auch die übrige G-Klasse entsteht.


