Mazda 787B: Le-Mans-Sieger mit 830 kg, 700 PS und Wankel-Verbot

830 gegen 1.000 Kilogramm: So schwer war der Mazda 787B bei den 24 Stunden von Le Mans 1991, und so schwer liefen die Jaguar und Mercedes, die er hinter sich ließ (Autosport). Der Gewichtsbonus war eine Ausnahme für einen Motor, den das Reglement ein Jahr später verbot.
Gewonnen hat der Wagen mit der Startnummer 55 am 23. Juni 1991 trotzdem nicht über die Rundenzeit. Der Mercedes mit der Startnummer 31 fuhr eine schnellste Runde in 3:35,564 Minuten, der Sieger in 3:42,958. Er gewann über den Tank, und am Ende lag er zwei Runden vor Jaguar.
Dreizehn Starts bis zum Sieg
Mazda zählt den Sieg als 13. Anlauf seit dem ersten Start 1974, 17 Jahre später. Mazda USA spricht dagegen von 17 Versuchen. Die Werksliste ergibt, Jahr für Jahr gezählt, 13 Teilnahmejahre ab 1974; der Wankel war schon 1970 in einem Chevron B16 dabei. Eingesetzt hat Mazdaspeed, laut Mazda Stories 1967 von einem Tokioter Händler gegründet und seit 1983 eine Tochter des Konzerns. Wie der Zweischeiben-Wankel überhaupt serienreif wurde, steht im Porträt zum Cosmo Sport; der Lizenzgeber NSU baute ihn selbst im Ro 80.
| Jahr | Wagen | Motor | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1970 | Chevron B16 Mazda | 10A | Ausfall (Motor) |
| 1974 | Sigma MC74 Mazda | 12A | zu wenige Runden für die Wertung |
| 1979 | RX-7 252i | 13B | nicht qualifiziert |
| 1981 | RX-7 253 (2 Autos) | 13B | beide Ausfall (Antriebsstrang) |
| 1982 | RX-7 254 (2 Autos) | 13B | erstes Ziel überhaupt: Platz 14; das andere Auto fiel aus |
| 1983 | 717C (2 Autos) | 13B | Doppelsieg in der Klasse |
| 1984 | 727C (2 Autos) | 13B | Klassenplätze 4 und 6 |
| 1984 | Lola T616 Mazda (2 Autos) | 13B | Klassensieg und Klassenplatz 3 |
| 1985 | 737C (2 Autos) | 13B | Klassenplätze 3 und 6 |
| 1986 | 757 | 13G | beide Ausfall (Antriebsstrang) |
| 1987 | 757 | 13G | Platz 7; das andere Auto fiel aus (Motor) |
| 1988 | 767 (2 Autos) | 13J, modifiziert | Plätze 17 und 19 |
| 1988 | 757 | 13G | Platz 15, Sieg in der GTP-Klasse |
| 1989 | 767B (3 Autos) | 13J, modifiziert | Plätze 7, 9 und 12 |
| 1990 | 787 (2 Autos) | R26B | beide Ausfall (Motor, Elektrik) |
| 1990 | 767B | 13J, modifiziert | Platz 20, Sieg in der GTP-Klasse |
| 1991 | 787B (2 Autos) | R26B | Gesamtsieg und Platz 6 |
| 1991 | 787 | R26B | Platz 8 |
| 1992 | MX-R01 (2 Autos) | 3,5-Liter-V10 | Platz 4; das andere Auto fiel nach einem Unfall aus |
Die Plätze 1983 bis 1985 sind Klassenplätze, ebenso die GTP-Siege 1988 und 1990. Das Debüt des 717C endete 1983 laut dem Archiv der 24 Stunden auf Gesamtplatz 12, der erste Rang unter den ersten Zehn gelang 1987 dem 757 als Siebtem.
Vier Scheiben und ein Gewichtsbonus
Der R26B hat vier Rotoren zu je 654 cm³, zusammen also 2.616 cm³. Nach der Umrechnung der FISA zählte er laut Mazda wie ein Hubkolbenmotor mit 4.708,8 cm³. Die Rotoren haben die Form des Serienmotors 13B, dazu kommen Keramik-Dichtleisten und je Kammer drei Zündkerzen. Laut Motor Sport sank dafür der Kerzendurchmesser von 14 auf 10 Millimeter, und die variable Ansaugung liefert 95 Prozent des maximalen Drehmoments zwischen 6.000 und 9.000/min. Mazda nennt 700 PS bei 9.000/min und 608 Nm bei 6.500/min. Die Konkurrenz fuhr anders: Der Jaguar XJR-12 hat einen 7,4-Liter-V12 (mehr zur Marke im Jaguar-Porträt), der Mercedes C11 einen Biturbo-V8.
Beim Gewicht gehen die Angaben auseinander. Mazdas Le-Mans-Seite nennt 830 Kilogramm, das Datenblatt des Wagens „über 839 Kilogramm“, supercars.net 845. Dass Mazda 830 statt 1.000 Kilogramm durfte, war laut Classic & Sports Car eine Ausnahmegenehmigung. Johnny Herbert sagte, der Vorteil habe Mazda nur auf das Niveau der Jaguar gebracht.
Das Kohlefaser-Monocoque stammt von Nigel Stroud, das Fünfganggetriebe kam laut Motor Sport von Porsche. Inside Mazda nennt den 787B das erste Siegerauto in Le Mans mit Kohlefaserbremsen und Kohlefaserkupplung; die Bremsen verschleißen laut Motor Sport nur halb so schnell wie Guss. Die orange-grüne Lackierung stammt vom japanischen Bekleidungshersteller Renown.
Gegen den Tank statt gegen die Uhr
Das Auto von 1990 hätte nach der Analyse des Teams nur 352 Runden in 24 Stunden geschafft, gut für Platz drei. Für 1991 setzte Mazda 357 Runden in 23 Stunden als Ziel, bei 1,85 Kilometern je Liter, das sind rund 54 Liter auf 100 Kilometer (gerechnet). Mazda USA nennt „4,4 mpg“ als vorgeschriebenen Verbrauch.
Der Motor bremst nicht mit, wenn man vom Gas geht. Herbert erklärte laut Classic & Sports Car, vor den beiden Schikanen habe man sich auf die Aerodynamik verlassen müssen und früh ausrollen lassen. Die Drehzahl ist umstritten: Gulf News schreibt, die Fahrer hätten bei 8.000 statt 9.000/min geschaltet, die Mazda-Mitteilung von wheels.ph von einem Motor, der im Rennen bei oder nahe 9.000/min drehte.
Die letzten drei Stunden
Startplatz 12 nennt Mazda Stories, Motor Sport 2012 Platz 19. Autosport zufolge war Volker Weidler im Training etwa zwölf Sekunden langsamer als Jean-Louis Schlesser im Mercedes und nur 0,007 Sekunden hinter dem besten Jaguar ohne Qualifikationsboost. In den ersten vier Stunden lag der Mazda am unteren Rand der Top 10, zur Halbzeit auf Rang zwei.
Vorn fuhr der Mercedes von Schlesser, Mauro Baldi und Alain Ferté. Er führte nach den Archivseiten des Veranstalters 16 Stunden, nach Supercar Nostalgia 17. Eine gebrochene Lichtmaschinenhalterung ließ den Riemen der Wasserpumpe abspringen, der Motor nahm Schaden. Um 13:08 Uhr am Sonntag übernahm der Mazda die Führung.
| Platz | Nr. | Wagen | Runden | Schnitt in km/h |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 55 | Mazda 787B | 363 | 205,33 |
| 2 | 35 | Jaguar XJR-12 | 361 | 204,11 |
| 3 | 34 | Jaguar XJR-12 | 359 | 203,24 |
| 4 | 33 | Jaguar XJR-12 | 357 | 202,07 |
| 5 | 31 | Mercedes-Benz C11 | 356 | 201,36 |
| 6 | 18 | Mazda 787B | 356 | 201,75 |
Racing Sports Cars führt den Sieger mit 4.922,81 Kilometern. Im fünften Wagen saß neben Karl Wendlinger und Fritz Kreutzpointner der junge Michael Schumacher. Inside Mazda zählt 362 statt 363 Runden; dass der vierte Platz laut RM Sotheby's sechs Runden zurücklag, passt zu 363. Der Sieger brauchte 28 Boxenstopps, dabei einmal Öl, einmal neue Bremsscheiben und -beläge und eine neue Nase.
Die letzten zwei Stunden fuhr Herbert am Stück. Er sei danach nur noch eine Hülle gewesen, sagte er Autosport. Aus dem Auto gestiegen, brach er laut Classic & Sports Car über der Karosserie zusammen und verpasste die Siegerehrung.
Nach dem Verbot
FISA und FIA hatten das Wankel-Verbot nach einer Mazda-Mitteilung schon 1989 angekündigt, wirksam wurde es nach dem Rennen 1991. Mazda kam 1992 mit einem 3,5-Liter-V10 zurück und wurde Vierter. Der Siegerwagen, Chassis 002, ging laut Inside Mazda sofort in den Ruhestand und steht in Hiroshima, fahrbereit gehalten. Zum Le Mans Classic vom 2. bis 5. Juli 2026 kündigte Mazda Demonstrationsrunden mit Yojiro Terada und ACO-Präsident Pierre Fillon an. Das Museum der 24 Stunden zeigt Chassis 04, eine Schenkung von Mazda und nicht den Sieger.
Fragen zum Mazda 787B
Wie viel PS hat der Mazda 787B?
700 PS bei 9.000/min und 608 Nm bei 6.500/min nach Mazda-Angabe, aus rund 2,6 Litern Hubraum.
Wie viele Mazda 787B gab es?
Mazdas Liste nennt für 1991 zwei 787B und einen 787, der Veranstalter spricht von drei 787B. 1990 liefen zwei 787.
Wo steht der Siegerwagen?
Chassis 002 steht in Hiroshima bei Mazda und wird laut Inside Mazda fahrbereit gehalten.
Warum durfte der Wankel nach 1991 nicht mehr starten?
Ein Verbot, das FISA und FIA 1989 angekündigt hatten, griff ab 1992.


