Lancia Stratos HF: 17 WM-Siege, 190 PS und die 500er-Regel

Orangeroter Lancia Stratos HF auf einer Passstraße in der Steiermark

Als die FIA dem Lancia Stratos am 1. Oktober 1974 die Gruppe-4-Homologation erteilte, standen nach RM Sotheby's erst 147 fertige Autos bereit. Verlangt waren 500. Bertone hatte aber genug Monocoques und Karosserieteile gebaut, und der Verband ließ es gelten. Im Jahr 1974 gewann der Stratos drei WM-Läufe.

Der Stradale, die Straßenversion, ist deshalb kein Nebenprodukt. Er war der Eintrittspreis: Ohne die Straßenautos hätte der Rallyewagen nicht starten dürfen.

Von 84 Zentimetern zu 1,10 Metern

Im November 1970 zeigte Bertone in Turin die Studie Stratos Zero, gezeichnet von Marcello Gandini. Sie war laut Car Design News nur 84 Zentimeter hoch, hatte einen 1,6-Liter-V4 mit 115 bhp aus dem Lancia Fulvia und keine gewöhnlichen Türen: Man stieg über die hochklappende Frontscheibe ein. Nuccio Bertone fuhr den Prototyp unangekündigt auf das Lancia-Gelände und bekam den Auftrag für ein Rallyeauto. Die Studie wechselte 2011 für 761.000 Euro den Besitzer.

Der Serienprototyp folgte im November 1971, ebenfalls in Turin: 3.710 Millimeter lang, 1.750 breit, 1.110 hoch, Radstand 2.180 Millimeter. Das sind laut RM Sotheby's 135 Millimeter weniger als beim Alpine A110.

Ein Dino-V6, den Enzo Ferrari erst nicht hergeben wollte

Lancia testete nach der Rallye Monte Carlo 1971 zwei Ferrari Dino am Col de Turini; Sandro Munari fuhr sie gegen die Uhr. Enzo Ferrari wollte laut supercars.net zunächst keinem möglichen Rivalen seines eigenen V6 helfen und sagte dann 500 Motoren für 500 Straßenautos zu. Fiat genehmigte die 500 Motoren am 14. Dezember 1972.

Der 2,4-Liter (2.418 cm³) sitzt quer vor der Hinterachse. Im Stradale leistet er 190 PS und liefert 225 Nm.

Zwei Jahre für fünfhundert Autos

Gruppe 4 verlangte 500 Exemplare binnen 24 Monaten. Die Produktion begann am 1. Juli 1972, die Frist lief am 31. Juli 1974 ab. Später sank die Grenze auf 400 Autos; die Auto Revue nennt die 400 schon für 1974. Dieselbe Marke von 400 Autos in 24 Monaten bestimmte auch beim BMW M1 den Zeitplan; Ferrari brauchte später für die Gruppe B 200 Autos und baute den 288 GTO.

Wie viele Stratos am Ende fertig wurden, sagen die Quellen unterschiedlich. Auto motor und sport nennt 492, an anderer Stelle für Bertone 495, RM Sotheby's spricht von 491 bis 498. In Bertones Unterlagen stehen laut RM Sotheby's London 502 Karosserien.

Stradale gegen Werkswagen

MerkmalStradaleGruppe 4, 12 VentileGruppe 4, 24 Ventile
Leistung in PS190rund 280 (laut Lancia)320 bei 8.500/min
Leergewicht in kg980880880
Leistungsgewicht in kg/PS (gerechnet)5,23,12,8

Die Leistungen nennt auto motor und sport, die Gewichte supercars.net. Das Leistungsgewicht ist errechnet und mischt zwei Quellen; es zeigt den Abstand, nicht eine Messung. Einzelne Werte weichen ab: RM Sotheby's schreibt 192 bhp für den Stradale, die Auto Revue 195 PS, Silodrome nennt gut 900 Kilogramm. Beim Gruppe-4-Auto im Angebot von Top Marques nennt auto motor und sport trotzdem 980 Kilogramm Leergewicht.

Siege je Jahr, drei Markentitel

JahrWM-SiegeRallyes und Sieger
19743Sanremo und Kanada (Munari), Korsika (Andruet)
19754Monte Carlo (Munari), Schweden und Sanremo (Waldegård), Korsika (Darniche)
19764Monte Carlo, Portugal, Korsika (alle Munari), Sanremo (Waldegård)
19771Monte Carlo (Munari)
19781Sanremo (Alén)
19793Monte Carlo und Korsika (Darniche), Sanremo (Fassina)
19811Korsika (Darniche)

Die Liste folgt den Siegerlisten von DirtFish; den Sanremo-Sieg Waldegårds 1975 belegt ein zeitgenössischer Bericht in Motor Sport. Die Zahl 17 nennt supercars.net. Die Titel 1974, 1975 und 1976 gingen als Marken-Weltmeisterschaft an Lancia (Auto Revue).

Waldegård nannte den Wagen sehr gut zu fahren, er habe trotz der nach hinten verlagerten Gewichtsverteilung gut gelegen, man habe aber hart in die Kurven fahren müssen. Walter Röhrl verglich den Abstand zwischen Stratos und seinem Fiat 131 Abarth auf derselben Strecke mit dem zwischen Zwei- und Allradantrieb (Motor Sport). Trotzdem setzte Fiat im Herbst 1977 auf den 131: Das Lancia-Werksteam war laut Motor Sport 2010 damit faktisch in den Ruhestand geschickt. supercars.net nennt dagegen den Dezember 1978 als Zeitpunkt, an dem der 131 den Stratos ablöste.

Auf der Straße: kurz, schwer, selten verkauft

Die Auto Revue schreibt, der kurze Radstand sei zusammen mit dem Mittelmotor der „Gipfel der Nervosität“, die Lenkung schwergängig. Eine erschreckend hohe Zahl der gebauten Stratos sei in Leitplanken und Wänden gelandet. Dafür sieht der Fahrer durch die gewölbte Scheibe laut Silodrome fast 180 Grad.

Verkauft wurde der Stradale schleppend: Silodrome spricht von sieben Jahren, bis alle Autos verkauft waren. 1978 gingen die letzten in Deutschland für unter 15.000 D-Mark weg (auto motor und sport). Wer einen Gruppe-4-Wagen zulassen will, braucht eine Einzelgenehmigung; die FIA-Papiere ersetzen sie nicht, wie der Ratgeber zu Rennwagen mit Straßenzulassung erklärt.

Was ein Stradale bei Auktionen brachte

Es sind verschiedene Autos in verschiedenem Zustand, eine Preiskurve ergibt sich daraus nicht.

New Stratos: ein Ferrari mit gekürztem Rahmen

Die Neuauflage entstand als Auftragsarbeit bei Pininfarina auf Basis des Ferrari 430 Scuderia. Laut Auto Zeitung wurde der Aluminiumrahmen um 20 Zentimeter gekürzt; der V8 leistet 540 PS, das Auto wiegt 1.247 Kilogramm. Im Februar 2018 war eine Kleinserie von 25 Exemplaren ab 2018 geplant; Interessenten sollten rund 500.000 Euro mitbringen und ihren eigenen 430 Scuderia als Spender stellen.

Fragen zum Lancia Stratos

Wie viel PS hat der Lancia Stratos?

Der Stradale 190 PS, die Gruppe-4-Rallyewagen rund 280 PS mit zwölf und 320 PS mit 24 Ventilen.

Wie viele Lancia Stratos wurden gebaut?

Je nach Quelle 490 bis 498 fertige Autos, vermutlich 492; Bertone hatte 502 Karosserien.

Wie viel kostet ein Lancia Stratos heute?

Bei RM Sotheby's erzielte ein Stradale 2024 in Monaco 590.000 Euro; mehrere Autos blieben bei Schätzungen ab 500.000 Dollar unverkauft.