Bizzarrini 5300 GT: Corvette-V8, Giugiaro-Linie, 78 bis 150 Stück

Der Bizzarrini, der im Juni 1965 in Le Mans Gesamtneunter wurde, hieß damals noch gar nicht Bizzarrini. Racing Sports Cars führt Régis Fraissinet und Jean de Mortemart auf einem Iso Grifo A3C. Der Bruch zwischen Renzo Rivolta und Giotto Bizzarrini kam laut Supercar Nostalgia erst nach dem Österreich-Grand-Prix am 22. August 1965.
Danach baute Bizzarrini das Auto unter eigenem Namen weiter: ein Chevrolet-V8 mit 327 Kubikzoll, Giugiaros Karosserie, Motor hinter der Vorderachse. Gebaut wurden zwischen 78 und rund 150 Stück, je nach Quelle, und die Angaben zur Höchstgeschwindigkeit reichen von 233 bis 290 km/h.
Vom Auftragsarbeiter zum Konkurrenten von Iso
Giotto Bizzarrini, geboren am 6. Juni 1926, studierte Maschinenbau in Pisa, ging zu Alfa Romeo und dann zu Ferrari. Dort entwickelte er laut RM Sotheby's den 250 Testa Rossa und den 250 GTO, bevor er im November 1961 im Zuge der Entlassungswelle ging. Für Iso entstand danach das Fahrgestell des Rivolta GT, für Rennzwecke dann der A3/C. Der Wagen debütierte nach supercars.net 1963 auf dem Turiner Salon als Iso Grifo.
Bei der Trennung hatte Bizzarrini ein Druckmittel: Er hatte den Namen Grifo schützen lassen. Die Einigung gab Iso den Namen, Bizzarrini dafür Teile für eine Reihe von A3C. Supercar Nostalgia nennt die Produktionsrechte am A3/C und Bauteile für 50 Autos. Dazu passt die Zählung bei supercars.net: 25 Grifos unter Iso, dann 50 Autos ab Fahrgestellnummer 0224 unter Bizzarrinis Namen. Wie Iso mit dem Grifo weitermachte, steht im Porträt zum Iso Grifo.
Auch das Gründungsjahr der Firma Prototipi Bizzarrini in Livorno ist offen: Die Marke nennt 1964, Radical Mag 1965.
Giugiaro zeichnete, Drogo und BBM bauten
Die Linie stammt von Giorgetto Giugiaro, damals bei Bertone. Girardo betont das, ebenso dass die Karosserien von Carrozzeria BBM kamen und die Endmontage in Livorno stattfand. Wer die ersten Hüllen baute, sagen die Quellen unterschiedlich: RM Sotheby's schreibt in London 2011, Giugiaro habe entworfen und Piero Drogo gebaut, vier Jahre später, Drogo habe die Alukarosserie entworfen und gebaut. Ab September 1965 stammte die Karosserie nach der Auto Revue meist aus Aluminium von BBM; einige bekamen Kunststoff vom Bootsbauer Catarsi. Ein Bertone-Bau ist der 5300 GT damit nicht.
Unter dem Blech liegt ein gefertigter Plattformrahmen, auf den die Karosserie als Semi-Monocoque genietet ist. Der Motor sitzt weit hinten, die Gewichtsverteilung liegt bei 52 zu 48. Nur 1,11 Meter ist der Strada hoch. Geschaltet wird mit einem Borg-Warner-Vierganggetriebe, alternativ gab es eine Dreigangautomatik oder ein ZF-Fünfganggetriebe. Die Konstruktion sei „nicht in allen Details durchdacht“, schreibt die Auto Revue: Den Zündverteiler erreicht man nur über eine Klappe im Armaturenbrett, und die 140 Liter Benzin verteilen sich auf drei Tanks, zwei davon in den Schwellern.
Was die Angaben zu Leistung und Tempo sagen
Der Motor ist ein Corvette-Small-Block mit 5.359 Kubikzentimetern (RM Sotheby's), supercars.net nennt 5.354, die Auto Revue 5.350. Bei der Leistung gibt es drei Lager:
| Merkmal | Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Leistung in hp | 350 bis 420; 365 bei 5.800/min (rund 370 PS) | RM Sotheby's; Audrain |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 233 (145 mph); 280 (174 mph); 290 (180 mph) | supercars.net; Audrain; RM Sotheby's |
| 0 auf 60 mph in s | 5,8; 6,3; unter sieben (auf 62 mph) | Audrain; supercars.net; Sports Car Market |
| Viertelmeile in s | 14,1; 14,6 | Audrain; supercars.net |
| Leergewicht in kg | 1.200 | supercars.net |
Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Tempowert liegen 57 km/h. 180 mph sind umgerechnet rund 290 km/h, die beiden Zahlen von RM Sotheby's und der Auto Revue meinen also dasselbe. Näher an 300 km/h lag der Rennwagen: Auf der Mulsanne-Geraden erreichte er 1965 laut RM Sotheby's fast 190 mph, das sind rund 305 km/h.
Strada gegen Corsa
| Merkmal | Strada | Corsa |
|---|---|---|
| Leistung in hp | 350 bis 420 (meist 365 genannt) | 405 laut supercars.net; mindestens 400 mit vier Weber-Vergasern laut Auto Revue |
| Höhe in m | 1,11 | 1,06 |
| Gewicht | 1.200 kg (supercars.net) | rund 40 kg weniger (Auto Revue); 1.220 kg (supercars.net) |
| Karosserie | Aluminium, vereinzelt Kunststoff | dünnes Aluminium, später Glasfaser |
| Ausstattung | Innenausstattung samt Belüftung | engere Lenkübersetzung, keine Gurte |
Höhe und Gewichtsvorteil nennt die Auto Revue, Karosserie und Ausstattung supercars.net. Echte Corsa, schreibt die Auto Revue, gab es wohl „maximal 10“. Dass supercars.net das Corsa-Gewicht über dem des Strada angibt, widerspricht dem Leichtbau-Anspruch; welche Zahl für welchen Aufbau steht, bleibt offen.
Le Mans: Klassensieg unter zwei Klassennamen
1964 gewannen Pierre Noblet und Edgar Berney laut Auto Revue die GT-Klasse und wurden Vierzehnte der Gesamtwertung. 1965 folgte Platz neun. Fraissinet und de Mortemart starteten von Platz 24 unter 51 Startern und fielen früh mit Bremsproblemen zurück, dann lief der Wagen nach Supercar Nostalgia ohne weitere Probleme und holte Plätze auf. Der Schnitt lag bei 169 km/h. Der Motor leistete nach Fiskens 400 hp aus vier Weber-Doppelvergasern, und anders als beim Strada hatte dieser Wagen eine Einzelradaufhängung hinten.
Wie die Klasse hieß, ist nicht einheitlich: RM Sotheby's und die Auto Revue sprechen von der GT-Klasse, Supercar Nostalgia von der Prototypenklasse über fünf Liter. Giotto Bizzarrini selbst fuhr den Siegerwagen nach Darstellung der Marke anschließend nach Livorno zurück.
Wie viele gab es? Von 78 bis 150
| Quelle | Zahl |
|---|---|
| RM Sotheby's, London 2015 | 133 bis 1968 gebaut |
| Audrain Automobile Museum | 133, davon 86 Stradas |
| RM Sotheby's, London 2011 | zwischen 100 und 149, vielleicht 70 mit Alukarosserie |
| RM Sotheby's, Monterey 2023 | 86 mit Alukarosserie |
| Girardo | nur 124 (1963 bis 1969) |
| Sports Car Market | etwa 120 |
| Auto Revue | nach Fahrgestellnummern gegen 150, nach anderer Zählung 78; vermutlich 100 bis 110 |
Bizzarrini habe sich nie um die Buchhaltung gekümmert, ihn habe nur die Konstruktion interessiert, zitiert die Auto Revue ihn. Die Produktion endete 1968, Anfang 1969 meldete die Firma Konkurs an.
Neupreis und Zuschläge
RM Sotheby's nennt als Neupreis knapp 10.500 Dollar. Ein von Girardo gezeigtes Auto kostete seinen ersten Käufer, eine römische Firma, 5,95 Millionen Lire; das Herkunftszertifikat stammt vom 9. Juni 1967. Die Auktionsergebnisse der letzten Jahre:
| Auktion | Fahrzeug | Ergebnis |
|---|---|---|
| Monterey 2013 | 1965, Alukarosserie | 693.000 Dollar |
| Monaco 2014 | 1968, Alukarosserie | 548.800 Euro |
| London 2015 | 1966, Alukarosserie | nicht verkauft (Schätzung 495.000 bis 700.000 Pfund) |
| November 2021 | 1968 | 766.428 Dollar inklusive Aufgeld |
| Monterey 2023 | 1968, Alukarosserie | 915.250 Dollar (Schätzung 800.000 bis 1.000.000) |
| Monaco 2024 | 1967, Alukarosserie | 736.250 Euro |
Die Zahl für November 2021 nennt Sports Car Market. Das Blatt trennt zwischen belegten Spitzenexemplaren zu 1,25 bis 1,75 Millionen Dollar und Autos mit lückenhafter Geschichte zu 750.000 bis 875.000 Dollar. Für die Broad-Arrow-Auktion in Zürich 2026 lauteten die Schätzungen 690.000 bis 830.000 Franken für einen Strada und 700.000 bis 850.000 Euro für einen zweiten. Giugiaro zeichnete in den Jahren auch den De Tomaso Mangusta.
Der Nachbau von 2022
Seit 2022 bietet die neue Bizzarrini-Firma den 5300 GT Corsa Revival an: 24 Stück, ein 5,3-Liter-V8 mit Vergasern und über 400 PS, 1.250 Kilogramm laut auto motor und sport. Die Zahl 24 steht nach der Marke für den Klassensieg von 1965. Zum 100. Geburtstag des Gründers kam 2026 eine schwarze Centenario Edition.
Fragen zum Bizzarrini 5300 GT
Wie viel kostet ein Bizzarrini 5300 GT?
Neu knapp 10.500 Dollar. Bei den sechs Auktionen der Tabelle lagen die Zuschläge zwischen 548.800 Euro und 915.250 Dollar.
Wie viel PS hat der Bizzarrini 5300 GT?
Der Chevrolet-V8 leistet im Strada je nach Quelle 350 bis 420 hp, meist werden 365 hp genannt. Die Corsa kommt auf mindestens 400.
Wie viele Bizzarrini 5300 GT wurden gebaut?
Meist 133, die Spanne der Quellen reicht von 78 bis rund 150.
Wer hat den Bizzarrini 5300 GT entworfen?
Giorgetto Giugiaro bei Bertone. Gebaut wurden die Karosserien bei Drogo und später bei BBM in Modena.


