Shelby Cobra Daytona Coupé: sechs gebaut, 42,9 Millionen Dollar

Shelby Cobra Daytona Coupé in Blau mit weißen Streifen, Kamm-Heck, auf einer Landstraße in der Steiermark

Im August 2026 brachte ein Shelby Cobra Daytona Coupé bei Gooding Christie's in Pebble Beach 42.905.000 Dollar ein, so viel wie noch nie für ein amerikanisches Auto bei einer Auktion. Gebaut wurden nur sechs Stück. Dasselbe Chassis, CSX2300, war im Jahr 2000 für 4,4 Millionen Dollar verkauft worden.

Alle sechs Coupés existieren noch, und jedes hat eine eigene Geschichte: ein Prototyp, der von Mitte der 1970er-Jahre bis 2001 verschollen war, ein Auto mit zu hohem Dach, ein Titelgewinner in Argentinien, ein Rekordhalter mit Umweg über Japan.

Eine Cobra, die gegen die Luft verlor

Der Roadster lief laut Peter Brock trotz 385 hp am Schwungrad bei etwa 165 mph (rund 265 km/h) gegen eine Wand; die offene Windschutzscheibe wirke wie eine Luftbremse. Ken Miles überzeugte Shelby, ein Coupé zu wagen. Das Budget, so Brock, beschrieb Shelby mit „No money and no time“.

Für das Heck stützte sich Brock auf ein deutsches Papier aus den 1930er-Jahren. Octane Press nennt als Verfasser Reinhard Freiherr von Koenig-Fachsenfeld: Das Dach dürfe höchstens sieben Grad abfallen, sonst reiße die Strömung ab. Second Strike führt dasselbe Prinzip auf Wunibald Kamm zurück: flache Schlusswinkel, dann ein scharf abgeschnittenes Ende. Daher das senkrechte Kamm-Heck.

Gemessen wurde die Wirkung in Bonneville, November 1965: 187 mph (rund 301 km/h) „ohne besondere Vorbereitung“, daraus errechnet sich ein cw-Wert von 0,29. Gegenüber den Roadstern nennen Mecum 25 mph Gewinn und Petrolicious 30 mph. Das Coupé wiegt 1.043 kg und leistet laut supercars.net mit vier Weber-Vergasern 385 bhp bei 6.750/min aus 4,7 Litern; die Shelby American Collection nennt für CSX2299 390 hp. Der Bau bis zum Debüt im Februar 1964 dauerte weniger als vier Monate.

Fünf Karosserien nach Augenmaß

Nur der Prototyp CSX2287 entstand komplett bei Shelby in Venice, Kalifornien. Die anderen fünf bekamen ihre Aluminiumkarosserie bei Carrozzeria Gransport in Modena: Die blanken AC-Chassis kamen aus Thames Ditton, die Motoren wurden in Venice eingebaut, dann flog man die Autos nach Italien. Den Kontakt stellte laut Veloce Today Alejandro de Tomaso her, dessen Mangusta später dem Namen nach auf die Cobra zielte (Porträt De Tomaso Mangusta).

Brocks Zeichnungen existierten nur im Viertelmaßstab, die Italiener arbeiteten „per occhio“, nach Augenmaß. Ein Fehler hatte Folgen: Bei CSX2299 sitzt das Dach 1,5 Zoll höher als geplant, was Dan Gurney zupasskam. Sports Car Market zählt deshalb sogar acht Daytona-Coupés, mit je einem von AC und Willment; gemeint sind hier die sechs von Shelby American.

Le Mans 1964: Platz vier hinter den Prototypen

Gurney und Bob Bondurant wurden im CSX2299 Gesamtvierte und gewannen die GT-Klasse, hinter drei Ferrari-Prototypen. Auf der Mulsanne sahen sie 197 mph (rund 317 km/h). Das Schwesterauto CSX2287 mit Chris Amon und Jochen Neerpasch wurde wegen eines Fremdstarts disqualifiziert.

Den Titel holte 1964 trotzdem Ferrari, mit 84,6 zu 78,3 Punkten. Der Gegner war der 250 GTO (Porträt Ferrari 250 GTO). Brock macht für die knappe Niederlage das Rennen in Monza verantwortlich: Ferrari habe auf dessen Absage gedrängt und Shelby einen fast sicheren Sieg samt Punkten genommen.

Der Titel gegen Ferrari: 90 Punkte gegen 71,3

Ein Jahr später stand es 90 zu 71,3 für Shelby. Daytona brachte Platz zwei gesamt, Sebring Rang vier und einen Klassensieg, Nürburgring und Le Mans (Gesamtachter) jeweils Klassensiege, in Enna belegten Bondurant und Jack Sears die ersten zwei Plätze der Klasse. Entschieden war die Weltmeisterschaft am 4. Juli in Reims: CSX2601 mit Bondurant und Jo Schlesser.

Ferrari konnte sein neues Auto nicht einsetzen. Laut The Gentleman Racer wurde der 275 GTB Competizione in der GT-Klasse nicht zugelassen, Ferrari blieb beim alten 250 GTO.

Wo die sechs Autos heute stehen

Zerstört wurde keines: CSX2287 fing 1964 in Daytona nach einem Hinterachsbruch Feuer (Supercar Nostalgia), CSX2286 verunglückte 2012 in Laguna Seca und wurde repariert (Veloce Today).

ChassisEinsätze und ErfolgeVerbleib
CSX2286zuletzt gebaut; einziger FIA-Einsatz Le Mans 1965 (Gurney/Grant), Klassenführung bis zur 15. Stunde, dann KupplungRob Walton, USA
CSX2287Prototyp; Klassensieg Sebring 1964; Daytona 1964 Hinterachsbruch und Feuer; Le Mans 1964 disqualifiziert; Rekordfahrten Bonneville 1965Simeone Automotive Museum, Philadelphia; 2001 in einem Lagerraum wiederentdeckt
CSX2299Le Mans 1964 und 1965 Klassensieg, dazu Daytona und Sebring 1965Miller-Familie; Tooele (Veloce Today) oder Leihgabe in Boulder (Shelby American Collection)
CSX2300Tour de France 1964; 1965 Klassendritter am Nürburgring; danach JapanCarroll Shelby 1975 bis 1998; seit 2005 beim jüngsten Besitzer; August 2026 versteigert
CSX2601vier Klassensiege 1965 (Monza, Nürburgring, Reims, Enna), Titelgewinn in ReimsPerez-Companc-Familie, Argentinien
CSX2602Le Mans 1965 für Scuderia Filipinetti, ZylinderkopfdichtungKazuo Maruyama, Tokio; Klassensieg Pebble Beach 2015

Auch hier streuen die Angaben. CSX2299 kommt je nach Quelle auf neun oder zehn Einsätze, und für die Bonneville-Rekorde nennt Veloce Today 25, das Classic Cobra Magazin 23.

Von 4,4 auf 42,9 Millionen Dollar

Das Gooding-Los wurde mit mehr als 25 Millionen Dollar geschätzt, der Zuschlag lag bei 39 Millionen, dazu kamen 3,905 Millionen Aufgeld. Den bisherigen Rekord hielt ein Duesenberg SSJ mit 22 Millionen Dollar (2018). Carroll Shelby hatte das Auto 1975 zurückgeholt und bis 1998 behalten; laut Gooding war es das einzige Daytona Coupé in seinem Besitz. Das Datum der Versteigerung geben die Berichte unterschiedlich an, vom 14. bis zum 17. August.

ZeitpunktChassisAuktionPreis in Dollar
August 2000CSX2300RM Auctions4.400.000
Mai 2009CSX2601Mecum, Indianapolis6.800.000 Höchstgebot, nicht verkauft
August 2009CSX2601Mecum, Monterey7.250.000 (SCM: 7.685.000 mit Aufgeld)
August 2026CSX2300Gooding Christie's, Pebble Beach42.905.000 (Zuschlag 39.000.000)

Zwischen 2000 und 2026 hat sich der Preis desselben Chassis nominal fast verzehnfacht. Die 7,25 Millionen von 2009 waren laut Old Cars Weekly der damalige Rekord für ein amerikanisches Auto bei einer öffentlichen Versteigerung.

Replikate für die Rennstrecke

Weil die Originale Millionen kosten, fahren sie kaum noch. Brock ließ deshalb ab 2018 FIA-zugelassene Nachbauten nach 3D-Scans der Originale bauen; seine eigene Replik stammt von Superformance in Südafrika. Ein 1992 zum Daytona umgebauter Cobra (CSX 2469) erzielte im September 2021 in Auburn 1,49 Millionen Dollar; Shelby selbst hatte ihn im Jahr 2000 auf 1,5 Millionen taxiert.

Fragen zum Shelby Cobra Daytona Coupé

Wie viele Shelby Daytona Coupés gibt es?

Sechs Originale mit den Chassisnummern CSX2286, 2287, 2299, 2300, 2601 und 2602. Alle sind erhalten.

Was kostet ein Shelby Daytona Coupé?

Zuletzt 42,9 Millionen Dollar für CSX2300 im August 2026. Ein 1992 zum Daytona umgebauter Cobra kam 2021 auf 1,49 Millionen Dollar.

Wie schnell ist das Shelby Daytona Coupé?

In Le Mans 1964 sah Bondurant 197 mph (rund 317 km/h) auf der Mulsanne, in Bonneville 1965 liefen 187 mph (rund 301 km/h).