Porsche 356 Gmünd: 52 Aluminium-Autos aus Kärnten, 15.000 Franken

Silbernes Porsche 356 Coupé um 1950 mit blanker Aluminiumkarosserie auf einer Passstraße in den Alpen

Der erste Serien-Porsche entstand in einem Sägewerk in Kärnten, und keine zwei Quellen nennen dieselbe Stückzahl. Porsche selbst zählt 52 Fahrzeuge (44 Coupés, 8 Cabriolets), spricht an anderer Stelle von 53 in Österreich gebauten Autos, und Ultimatecarpage kommt auf 47.

Fest steht der Grund für den Standort Gmünd: Im Nachkriegsösterreich war kein Leichtmetall zu bekommen, in der Schweiz schon. Die Regierung in Wien gab den Einkauf laut Porsche nur frei, wenn die Wagen im Ausland verkauft würden - das Land brauchte Devisen.

Holzbaracken in der Karnerau

Das Konstruktionsbüro war 1944 vor den Bomben von Stuttgart nach Gmünd verlegt worden, in eine Stadt mit laut ÖAMTC rund 2.500 Einwohnern. Die Werkstatt lag in einem Sägewerk in der Karnerau; die vorwiegend österreichischen Beschäftigten nannten sie „Vereinigte Hüttenwerke“. Porsche beziffert die Belegschaft auf etwa 300 Personen unter extrem beengten Bedingungen. Ferry Porsche sagte später, in Gmünd sei nichts verdient worden.

Am 8. Juni 1948 bekam der 356 „Nr. 1“ die Betriebserlaubnis: Mittelmotor, Gitterrohrrahmen, Aluminiumkarosserie, 1.131 cm³, 35 PS, 585 Kilogramm, 135 km/h. Als Teststrecken nennt der ÖAMTC den Katschberg und eine Route über Spittal an der Drau, Heiligenblut und den Weißensee; die dokumentierte Abnahmefahrt am 27. Mai 1948 umfasste 256 Kilometer.

Wer den Roadster kaufte, erzählen die Quellen verschieden. Porsche nennt den Zürcher Architekten Peter Kaiser, der am 20. Dezember 1948 7.500 Franken zahlte. Stuttcars nennt den Unternehmer Rupprecht von Senger und 7.000 Franken.

Heckmotor, Käferteile, 90 Stunden Handarbeit

Das Serienmodell 356/2 folgte im August 1948 als Coupé: Kastenrahmen aus Stahl, Motor hinter der Hinterachse, 40 PS. Mechanik und Triebwerk stammten vom Volkswagen, mit größeren Ventilen und höherer Verdichtung aufgearbeitet. Die Karosserien formten kleine Betriebe von Hand: Kastenhofer, Keibl und Tatra in Wien sowie Beutler im schweizerischen Thun. Ein Meister brauchte laut Porsche mindestens 90 Stunden, bis die Außenhaut des Coupés saß, immer wieder abgeglichen mit einem Holzmodell, das heute im Museum in Gmünd steht.

Bei den Daten gehen die Angaben auseinander. Das Gewicht liegt nach Excellence bei 1.323 lb (rund 600 kg), Classic & Sports Car nennt etwa 700 kg. Beim Hubraum steht 1.131 cm³ (Stuttcars) gegen 1.086 cm³ (Classic & Sports Car).

Kunden in Zürich, Göteborg und Gmünd

Auf dem Genfer Salon 1949 standen ein Gmünd-Coupé (356/2-001) für 15.000 Franken und ein Cabriolet von Beutler (356/2-002) für 17.000 Franken. Stuttcars zufolge finanzierte von Senger die ersten 50 Autos; 15 gingen über die Volkswagen-Importfirma Scania-Vabis nach Schweden, das letzte 1951.

Eines davon, Fahrgestell 356/2-0032, war am 12. Juni 1950 fertig, am 9. November wurde es in Göteborg abgenommen. Die Endmontage lief laut Classic & Sports Car bei Tatra in Salzburg, zu einer Zeit, als in Stuttgart schon Stahlkarosserien entstanden. Ganz ohne heimische Kunden blieb Österreich nicht: Der 356 mit der Nummer 020 ging nach Excellence an einen Dr. Schindler, einer von dreien, die im Land blieben.

Stahl aus Zuffenhausen

Ende 1949 zog Porsche nach Stuttgart-Zuffenhausen, in eine 600 Quadratmeter große Halle der Karosseriewerke Reutter. Reutter bekam im Gegenzug den Auftrag über 500 Stahlkarosserien; ab März 1950 liefen die ersten 356 vom Band, das Coupé für 10.500 Mark (Porsche). Die erste Stahlkarosserie war nicht symmetrisch: Sie saß 20 Millimeter nach rechts versetzt.

MerkmalGmünd-Coupé (1948 bis 1950)Zuffenhausen-Coupé (ab 1950)
KarosserieAluminium, von Hand gehämmertStahl von Reutter
GewichtAluminiumhaut laut Porsche Motorsport 120 kg leichterStahlhaut 120 kg schwerer
Leistung bei 4.200/min40 PS40 PS (1.086 cm³)
Preis neu15.000 Franken (Genf 1949)10.500 Mark (ab März 1950)
Stückzahl52 (44 Coupés, 8 Cabriolets)317 bis Ende 1950 laut Porsche; 369 in einem älteren Porsche-Bericht

Aus den Resten wird ein Le-Mans-Sieger

Aus elf übrig gebliebenen Gmünd-Fahrgestellen entstanden die Rennwagen 356 SL. Der Zusatz stand für „Sport Leicht“, die Motoren hatten 1.086 cm³ und 46 PS. Zwei Vorbereitungswagen verunglückten vor dem Rennen: einer wegen eines querenden Radfahrers, einer im Gegenverkehr auf der Autobahn.

Am 23. Juni 1951 startete in Le Mans die Nummer 46, Fahrgestell 356/2-063, mit den Franzosen Auguste Veuillet und Edmond Mouche. Sie gewannen die Klasse bis 1,1 Liter, ließen auch alle 1,5-Liter-Wagen hinter sich und wurden Gesamtzwanzigste, bei einem Schnitt von 73,5 mph (rund 118 km/h). Der Wagen kam danach in die USA; The Drive berichtet, ein Besitzer habe ihm das Dach abgesägt, bevor Rod Emory ihn restaurierte. Ferdinand Porsche starb im Januar 1951 und erlebte den Erfolg nicht mehr.

Wie viele erhalten sind und was sie kosten

Stuttcars rechnet mit etwa 30 erhaltenen Gmünd-Coupés von 47 gebauten. Eine Verkaufsanzeige von 2009 sprach von nur 17.

Das Fahrgestell 020 steht in Gmünd, im Museum von Helmut Pfeifhofer. Er kaufte es 1976, zog den Lack ab und legte das blanke Aluminium frei; laut Excellence ist es der achtälteste erhaltene Porsche der Welt und hat 63.500 Kilometer auf dem Tacho.

Die bekannten Preise sind Händlerbewertungen, keine Zuschläge. DK Engineering bietet das Fahrgestell 0032 an und bewertet es mit 3,5 Millionen Dollar (Stand Februar 2024), Classic & Sports Car nennt im Juni 2026 etwa 2,7 Millionen Pfund. Bei Sammlerautos ersetzt ein Wertgutachten den Listenpreis; den Gegenpol, einen neuen Porsche samt NoVA, rechnet der Ratgeber zum Lottogewinn durch.

Fragen zum Porsche 356 Gmünd

Wie viele Porsche 356 Gmünd wurden gebaut?

Laut Porsche 52, davon 44 Coupés und 8 Cabriolets. Andere Angaben reichen von 47 bis 53.

Warum entstand der erste Porsche in Kärnten?

Das Konstruktionsbüro war 1944 vor den Luftangriffen auf Stuttgart nach Gmünd verlegt worden. Die Hauptfabrik in Zuffenhausen war nach dem Krieg von amerikanischen Truppen belegt.

Was kostet ein Porsche 356 Gmünd?

1949 in Genf 15.000 Franken. Heute liegen die Bewertungen von DK Engineering bei 2,7 bis 3,5 Millionen.