Maserati Bora: 564 bis 578 gebaut, Citroën-Hydraulik, V8

564 Maserati Bora nennen Bonhams und supercars.net. Classic & Sports Car kommt auf 571, Octane auf 578, Italdesign auf 550. Bei den 4,9-Liter-Wagen reicht die Spanne von 235 bis 275. Wie selten der Bora ist, hat keine eindeutige Antwort.
Eindeutig ist anderes: Im März 1971 zeigte Maserati in Genf den ersten Straßenwagen der Marke mit Mittelmotor. Giorgetto Giugiaro zeichnete ihn, und Bremsen, Sitz und Pedale hingen an Citroëns Hochdruckhydraulik. Als Motor Sport im April 1974 einen 4,7-Liter testete, stand auf dem Preisschild rund 12.100 Pfund, mit Klimaanlage und Radio.
Citroën zahlt, Alfieri baut, Giugiaro zeichnet
Maserati gehörte zu Citroën. Wie weit das reichte, zeigen der Citroën SM mit Maserati-V6 und der Khamsin mit Citroën-Technik. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenkern an allen vier Rädern stammt laut Bonhams von Giulio Alfieri, der V8 laut RM Sotheby's von den „Birdcage“-Rennwagen Tipo 63 und 65. Octane schreibt, Alfieri habe einen Supersportwagen gewollt, der durch Komfort und Verfeinerung überzeugt statt durch Spitzenwerte.
Die Karosserie bauten laut supercars.net die Officine Padane in Modena. Den Namen trägt der Wagen nach einem kalten, mitunter orkanartigen Fallwind von der Adria (Speedholics).
Gebürsteter Stahl, der heiß wird
Dach und A-Säulen sind aus gebürstetem Edelstahl und heben sich vom lackierten Rest ab; Italdesign hebt hervor, wie kühn Säule und Dach gegen die Karosserie stehen. Petrolicious beschreibt, das Dach leite Wärme so stark, dass es sich anfühle, als lege man die Hand auf eine Grillplatte, und nennt einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,255. Zwischen Kabine und Motorraum sitzt eine Doppelverglasung, die laut Bonhams den Motorlärm dämpft.
Motor Sport lobte 1974 den Nutzwert: Der Frontkoffer nehme zwei große Koffer hochkant auf, das gesamte Heckoberteil klappe nach hinten auf. Beim Beifahrer fehle Beinraum, weil Batterie und Heizung im Fußraum sitzen, und die Sitzhöhe lasse sich für große Fahrer zu wenig verstellen.
Hydraulik: Pedale, die zum Fahrer kommen
Citroëns Hochdruckhydraulik betätigt Bremsen, Klappscheinwerfer, Fahrersitz und Pedalblock, laut RM Sotheby's auch die Fenster. Die Pedale lassen sich nach Classic & Sports Car um bis zu drei Zoll (rund 76 Millimeter) verstellen. Motor Sport beschrieb die Bremse als Pedal ohne spürbaren Weg: Ein leichter Druck genüge, um aus über 100 mph in Sekunden zum Stehen zu kommen.
Dieselbe Technik macht den Gebrauchtkauf heikel. Sports Car Market warnt, Leckagen oder verschlissene Dichtungen könnten mehrere Funktionen gleichzeitig lahmlegen. Der 4,7-Liter von 1976, den Bonhams im Dezember 2025 versteigerte, hatte in der Einlagerung Hydraulikflüssigkeit verloren und brauche vor der Nutzung Aufmerksamkeit, heißt es im Katalog.
Der kleine gegen den großen V8
| Merkmal | 4,7 Liter | 4,9 Liter |
|---|---|---|
| Hubraum in cm³ | 4.719 | 4.930 |
| Bohrung × Hub in mm | 93,9 × 85 | 93,9 × 89 |
| Leistung in PS | 310 bei 6.000/min | 330 bei 5.500/min |
| Drehmoment in Nm | 460 bei 4.200/min | 481 bei 4.000/min |
| Höchstgeschwindigkeit laut Katalog | 260 km/h | 170 mph (rund 274 km/h) |
| Beschleunigung laut Katalog | 6,7 s auf 100 km/h | unter 7 s auf 60 mph |
| Stückzahl (häufigste Angabe) | 289 | 275 |
Leistung, Drehmoment und Bohrung stammen von Automobile Sportive, Hubraum und Fahrleistungen aus den Katalogen von RM Sotheby's Monaco 2016 und Amelia Island 2023. Abweichungen gibt es reichlich: Ein 4,9-Liter von 1973 nennt bei Bonhams 320 bhp bei 6.000/min. Für die US-Wagen setzt Sports Car Market 280 bis 300 PS an. Beim Spitzentempo schreibt Motor Sport für den 4,7er „über 170 mph“, Bonhams „über 160 mph“. Den Start des 4,9-Liters datiert Automobile Sportive auf 1974, doch Bonhams verkaufte einen, der im Juli 1973 in Modena fertig wurde. Das Gewicht schwankt je nach Quelle zwischen 1.500 und 1.619 Kilogramm.
Gemessen auf holprigem Asphalt
Die Zahl aus dem Motor-Sport-Test ist keine Höchstgeschwindigkeit: 139 mph (rund 224 km/h) waren das Maximum, das der Tester auf einem keineswegs ebenen Stück Asphalt erreichte. Bei niedrigen Drehzahlen im Stadtverkehr verschmutzten die Zündkerzen. Die Lenkung nannte er präzise und selbst beim Rangieren leicht, die Seitenneigung praktisch nicht vorhanden. Der Wagen wiege über anderthalb Tonnen bei 42 zu 58 Prozent Gewichtsverteilung. Beim Parken störte die Sicht, auf schlechten Straßen folgten die Vorderreifen Spurrillen.
Das Magazin Motor nannte den Bora im März 1973 laut Bonhams einen der besten und kultiviertesten Mittelmotor-Exoten. Classic & Sports Car beschreibt ihn als ruhig, handlich und gutmütig, mit hartem Fahrkomfort auf schlechten Straßen und schwammiger Lenkung bei niedrigem Tempo.
Vier Gesamtzahlen für einen Wagen
| Quelle | Gesamt | davon 4,9 Liter | Bauzeit |
|---|---|---|---|
| RM Sotheby's, Monterey 2011 | 564 | 275 | 1971 bis 1980 |
| RM Sotheby's, Arizona 2022 | 564 | 250 | 1971 bis 1980 |
| Bonhams, Dezember 2025 | 564 | 235 | bis 1979 |
| supercars.net | 564 | 275 | 1971 bis 1978 |
| Octane | 578 | 275 | 1971 bis 1978 |
| Classic & Sports Car | 571 | keine Angabe | 1971 bis 1978 |
| Italdesign | 550 | keine Angabe | keine Angabe |
Die Summen gehen nicht überall auf: 289 plus 275 ergibt die 564, 275 plus die von Octane genannten 303 4,7-Liter die 578. Mit 235 oder 250 4,9-Litern und 289 4,7-Litern kämen nur 524 beziehungsweise 539 heraus. Die Beschreibungen von RM Sotheby's 2011 und 2022 stammen vom selben Haus und widersprechen sich.
Zu den Zeitgenossen: Der Ferrari 365 GT4 BB leistete 380 bhp bei 7.700/min aus 4.390 cm³ und entstand 387-mal. Der Lamborghini Countach LP400 brachte 375 bhp aus 3.929 cm³, wurde 157-mal gebaut und kostete neu 52.000 Dollar; für den Bora nennt supercars.net 25.500 Dollar, beide ohne Jahresangabe. BB und LP400 kommen zusammen auf 544 Autos, weniger als der Bora allein. In Frankreich verlangte Maserati 1971 laut Automobile Sportive 210.000 Franc.
Was ein Bora bei Auktionen brachte
- RM Sotheby's Monterey 2011: 60.500 Dollar für einen 4,9er von 1975 mit rund 24.000 Meilen und frisch überholter Hydraulik.
- Bonhams Quail Lodge 2015: 176.000 Dollar für einen 4,9er, im Juli 1973 in Modena fertig.
- Bonhams Le Zoute, Oktober 2015: 230.000 Euro für einen 4,7er in Celeste Chiaro mit rund 40.000 Kilometern.
- RM Sotheby's Monaco 2016: 201.600 Euro für einen 4,7er, im Juni 1973 gebaut.
- RM Sotheby's Arizona 2022: 268.800 Dollar für einen 4,9er von 1978 mit 801 Meilen.
- Bonhams Le Zoute, Oktober 2022: 195.500 Euro für einen 4,9er, 2010 frame-off restauriert.
- RM Sotheby's Amelia Island 2023: 126.000 Dollar für einen restaurierten 4,9er in Giallo.
- Bonhams London, 11. Dezember 2025: 103.500 Pfund für einen 4,7er von 1976 mit rund 23.000 Meilen.
Sports Car Market nennt für die Jahre 2014 bis 2026 eine Spanne von 25.200 Dollar (Projektwagen, Oktober 2024) bis 264.000 Dollar (1973, Januar 2015); gepflegte Autos lägen bei 120.000 bis 190.000 Dollar. Ein 4,7er brachte 2015 mehr als ein 4,9er 2023 und weniger als ein 4,9er 2022: Eine Preiskurve ergibt sich aus diesen Autos nicht.
Merak und das Ende
Der Bora zog den V6-Bruder Merak nach sich, der laut supercars.net bis 1983 weiterlief. In die Bauzeit fiel Citroëns Zusammenbruch: Insolvenz 1974, Liquidation von Maserati 1975, der Bora lief laut supercars.net weiter. Nach Octane blieb er Maseratis einziger Mittelmotor-Supersportwagen, bis 2020 der MC20 kam.
Fragen zum Maserati Bora
Wie viel PS hat der Maserati Bora?
Der 4,7-Liter leistet 310 PS, der 4,9-Liter 330 PS; die US-Autos liegen nach Sports Car Market bei 280 bis 300 PS.
Wie viele Maserati Bora gibt es?
Je nach Quelle 550 bis 578, meist genannt werden 564, davon 289 mit 4,7 und 275 mit 4,9 Liter.
Was kostet ein Maserati Bora?
Die genannten Zuschläge liegen von 25.200 Dollar für einen Projektwagen bis 268.800 Dollar für einen Wagen von 1978 mit 801 Meilen.


