Cizeta-Moroder V16T: Gandinis Diablo-Entwurf mit 16 Zylindern

Am 5. Dezember 1988 stand in Los Angeles ein Auto auf der Bühne, das aussah wie der Lamborghini Diablo, den es noch nicht gab - und 16 statt zwölf Zylinder hatte. Jay Leno moderierte den Abend, Giorgio Moroder schrieb dafür einen Song mit dem Titel „A Car is Born“. Gebaut wurden danach nur wenige Wagen: neun, zehn oder elf, die Angaben gehen auseinander.
Der Prototyp wechselte 2022 für 1.363.500 Dollar den Besitzer und stand im August 2026 in Monterey erneut zum Verkauf.
Gandinis Diablo, den Chrysler nicht wollte
Claudio Zampolli war Testfahrer und Entwicklungsingenieur bei Lamborghini. Seine Firma trägt seine Initialen: Cizeta ist die italienische Aussprache von C und Z. Das Geld kam von Giorgio Moroder, laut RM Sotheby's Träger von drei Oscars und vier Grammys; nach carrozzieri-italiani hielt er 50 Prozent der Firma.
Das Design stammt von Marcello Gandini. Chrysler hatte Lamborghini 1987 übernommen und wollte Gandinis Nachfolger für den Countach entschärfen; Gandini gefiel das nicht, und er verwendete seine Skizzen für Zampolli. Der Cizeta ähnelt dem Diablo deshalb, weil er laut evo Gandinis ursprünglicher Entwurf dafür war. Lamborghinis Designabteilung überarbeitete den Entwurf zum Diablo von 1990.
Was den Cizeta unterscheidet: vier Klappscheinwerfer, je zwei übereinander, und eine Breite von 2,05 Metern. Drei Zoll mehr als ein Ferrari Testarossa, also rund 7,6 Zentimeter. Bei den Rückleuchten gehen die Angaben auseinander: italpassion nennt den Alpine A610 als Spender, auto motor und sport eine Mischung aus Lotus und Lamborghini.
Der Prototyp hat nach RM Sotheby's deutlich größere seitliche Lufteinlässe mit mehr Streben und eine diagonale Sicke, die in den hinteren Stoßfänger läuft. Die Streben an den Einlässen verlaufen beim Prototyp und bei den Brunei-Wagen horizontal, bei späteren Serienautos senkrecht.
Sechzehn Zylinder quer vor der Hinterachse
Der Motor hat 5.995 cm³, 64 Ventile und acht obenliegende Nockenwellen und sitzt quer im Heck. Das Fünfganggetriebe von ZF liegt längs dahinter, was supercars.net als „T-förmigen“ Antriebsstrang beschreibt. Die Basis lieferte der V8 des Lamborghini Urraco; Chefingenieur war Oliviero Pedrazzi.
Ob es zwei verbundene V8 sind oder ein eigener Block, ist umstritten. Laut evo teilen sich zwei Flachkurbel-V8 einen Block. Monochrome schreibt dagegen, es seien nicht einfach zwei zusammengesetzte V8, sondern ein einteiliges Gehäuse. Carrozzieri-italiani zählt zwei Kurbelwellen.
Auch bei der Leistung gibt es keine einheitliche Zahl:
| Quelle | Leistung | Drehmoment |
|---|---|---|
| Carscoops | 540 hp bei 8.000/min | nicht genannt |
| The Drive | 540 hp | 400 lb-ft (rund 542 Nm) |
| Secret Classics | 542 hp (399 kW) | nicht genannt |
| evo | 560 bhp bei 8.000/min | 469 lb-ft (rund 636 Nm) bei 6.000/min |
| italpassion | 540 hp | 715 Nm bei 6.000/min |
Für 0 auf 60 mph nennt The Drive 4,2 Sekunden, evo 4,4 und supercars.net 4,5. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 204 mph, rund 328 km/h; das Gewicht nennt supercars.net mit 1.701 Kilogramm.
Neupreis: von 250.000 bis 650.000 Dollar
Der Neupreis schwankt je nach Jahr und Land:
- 527.250 D-Mark in Deutschland und 350.000 Dollar in den USA nannte Cizeta auf dem Genfer Salon 1989; die US-Zahl stieg laut derselben Quelle bald auf 500.000 Dollar.
- 280.000 Dollar schätzt Carscoops für 1989, 250.000 Dollar carrozzieri-italiani.
- Rund 200.000 Pfund nennt evo, 650.000 Dollar mit 100.000 Dollar Anzahlung Monochrome.
- 650.000 Dollar sollte ein Coupé 2006 noch kosten.
Zum Vergleich der Zeitgenossen:
| Modell | Motor | Leistung | Höchstgeschwindigkeit laut Werk | Neupreis |
|---|---|---|---|---|
| Cizeta V16T | 6,0-Liter-V16 | 540 hp | 204 mph (rund 328 km/h) | 350.000 Dollar (1989) |
| Lamborghini Diablo | 5,7-Liter-V12 | 485 bis 492 hp | 202 mph (rund 325 km/h) | 239.000 Dollar (1990) oder 211.000 Dollar (1991, Auto Zeitung) |
| Ferrari F40 | 2,9-Liter-V8 mit zwei Turboladern | 478 hp | 201 mph (rund 323 km/h) | 400.000 Dollar (1991) |
| Vector W8 | 6,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern | 625 PS | 242 mph (rund 389 km/h) | 283.750 Dollar (1991) |
Bei der Leistung schlägt der Cizeta Diablo und F40, nur der Vector liegt mit 625 PS vorn. Sechzehn Zylinder in Serie gab es später auch im Bugatti Veyron, dort als W16 mit vier Turboladern.
Moroder geht, Brunei bestellt, Modena schließt
Kurz nach der Premiere trennten sich Zampolli und Moroder. Moroder wollte laut Secret Classics eine Kunststoffkarosserie und BMW-Motoren und hatte dafür bei Gemballa in Deutschland angefragt. Zampolli überließ ihm den perlweißen Prototyp, Moroder behielt ihn bis 2022. Die ersten Serienautos entstanden Ende 1989.
Die meisten Wagen gingen nach Ostasien, vor allem nach Japan. Die Königsfamilie von Brunei bestellte drei, zwei davon in Schwarz; sie erhielten später Ferrari-512-TR-Motoren und neue Innenräume (Secret Classics). Das dritte, blaue Auto stand 1993 auf dem Genfer Salon. 1995 musste Zampolli die Fabrik in Modena schließen; Secret Classics nennt einen Streit um die Mehrwertsteuer und eine von 500.000 auf 30.000 Dollar gekürzte Kreditlinie, carrozzieri-italiani datiert die Insolvenz auf 1994. Er zog nach Kalifornien und gründete Cizeta Automobili USA. Dort entstanden von 1999 bis 2003 noch drei Autos, darunter der Spyder Fenice TTJ, der am 15. August 2003 vorgestellt wurde. Zampolli starb am 7. Juli 2021 mit 82 Jahren.
Die Stückzahlen:
| Quelle | Angabe |
|---|---|
| evo | neun Stück |
| RM Sotheby's (2021) | neun fertiggestellte V16T |
| RM Sotheby's (2026) | zehn, einschließlich Prototyp |
| Secret Classics | zehn Coupés einschließlich Prototyp, dazu der Spyder von 2003 |
| Diariomotor | acht bis 1995, drei weitere von 1999 bis 2003, zusammen elf |
Was ein V16T heute kostet
- 665.000 Dollar für einen blauen V16T von 1993 mit Rechtslenkung und weniger als 1.000 Kilometern (RM Sotheby's, Arizona, 22. Januar 2021).
- 1.363.500 Dollar für den Prototyp, Chassis 001, mit Moroder-NFT (RM Sotheby's, Arizona, 27. Januar 2022); die Schätzung hatte bei 900.000 bis 1,2 Millionen Dollar gelegen.
- Im August 2026 war derselbe Wagen in Monterey auf 1,4 bis 1,8 Millionen Dollar geschätzt. Im Lot-Eintrag von RM Sotheby's steht dazu „Not Sold“, supercar-driver.com nennt dagegen 1,45 Millionen Dollar als Verkaufspreis.
Fragen zum Cizeta V16T
Wie viele Cizeta V16T gibt es?
Neun bis elf, je nach Quelle. Der Prototyp ist der einzige mit dem Namen Cizeta-Moroder.
Wie viel PS hat der Cizeta V16T?
Meist werden 540 hp bei 8.000/min genannt, evo nennt 560 bhp.
Ist der Cizeta ein Lamborghini?
Nein. Die Front geht auf Gandinis ursprünglichen Diablo-Entwurf zurück, gebaut hat ihn Zampolli in Modena.


