Bugatti Veyron: Varianten, Rekorde, Stückzahlen und Unterhalt

Dunkelblau-schwarzer Bugatti Veyron 16.4 auf einer Landstraße in der Steiermark

Thomas Bscher, damals Präsident von Bugatti, sagte im November 2004 ein Jahr vor dem Verkaufsstart, der Veyron werde nie profitabel sein; es gehe um die Marke und um Prestige. Ein Analyst von Bernstein schätzte den Verlust später auf 4,6 Millionen Euro je verkauftem Auto. Volkswagen baute von 2005 bis 2015 trotzdem 450 Stück.

Wer „den Veyron“ sagt, meint vier Autos mit zwei Leistungsstufen: 1.001 oder 1.200 PS, 407 oder 431 km/h, je nach Variante und Messung. Ohne diese Unterscheidung ist fast jede Angabe über das Auto falsch.

Vom W18-Entwurf zum W16 mit zehn Kühlern

Ferdinand Piëch skizzierte 1997 in einem japanischen Schnellzug einen 18-Zylinder auf einen Briefumschlag. Volkswagen erwarb im Mai 1998 die Markenrechte, und binnen gut eines Jahres folgten vier Studien: EB 118 (Paris, September 1998), EB 218 (Genf, März 1999), EB 18/3 Chiron (Frankfurt, September 1999) und der EB 18/4 Veyron in Tokio (Oktober 1999). Die ersten Entwürfe trugen einen 6,3-Liter-W18 mit 555 PS. Weil sich über 1.000 PS mit dem Sauger nur schwer beherrschen ließen, fiel 2000 die Entscheidung für einen neuen Motor: acht Liter, 16 Zylinder, vier Turbolader.

Das Lastenheft nannte nach Bugatti vier Ziele: mehr als 1.000 PS, mehr als 400 km/h, unter drei Sekunden auf 100 km/h und Komfort, der den Weg „zur Oper“ erlaubt. Der Name erinnert an Pierre Veyron, der 1939 mit Jean-Pierre Wimille das 24-Stunden-Rennen von Le Mans für Bugatti gewann. Für die Form war unter Hartmut Warkuß der Designer Jozef Kabaň zuständig.

Der Motor hat 7.993 cm³ aus 86 mal 86 Millimetern, 1.001 PS und 1.250 Nm. Dazu kommen ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und permanenter Allradantrieb. Zehn Kühler halten das Ganze bei Temperatur; der Tank fasst 100 Liter. Beim Verbrauch nannte Bugatti 2006 40,4 Liter innerorts und 14,7 Liter außerorts auf 100 Kilometer.

Für die Höchstgeschwindigkeit braucht der Veyron einen zweiten Schlüssel. Der „Speed Key“ senkt das Auto hydraulisch ab, stellt den Heckflügel auf zwei Grad und schließt die Diffusorklappen. Im Fahrzeugschein steht 407 km/h. Der Listenpreis lag laut Autobild bei einer Million Euro netto, 300.000 Euro Anzahlung inklusive.

Die Werksangabe für 0 auf 100 km/h lautet 2,5 Sekunden. Fünf Messungen aus den Jahren 2006 bis 2012, auf 0-60specs.com gesammelt, liegen bei 2,5 bis 2,7 Sekunden auf 60 mph (rund 97 km/h). Schnellster Wert: der Super Sport von 2011 bei Road & Track mit 2,5 Sekunden und 9,9 Sekunden über die Viertelmeile. Der Grand Sport von 2012 brauchte bei Car and Driver 2,7 Sekunden.

Vier Varianten, 450 Autos

Bugatti gibt die Gesamtzahl mit 300 Coupés und 150 Roadstern an. Die Aufteilung auf die Varianten:

VarianteVorgestelltLeistung (PS)Drehmoment (Nm)Stückzahl
Veyron 16.4 (Coupé)20051.0011.250252
Grand Sport (Roadster)20081.0011.25058
Super Sport (Coupé)20101.2001.50048
Grand Sport Vitesse (Roadster)20121.2001.50092

RM Sotheby's beziffert die Roadster auf 58 Grand Sport und 92 Vitesse und nennt den Super Sport einen von 48 gebauten. Die 252 Basis-Coupés ergeben sich als Rest von 300. Ein Bonhams-Katalog von 2018 spricht dagegen von nur 30 Super Sport; welche Zahl stimmt, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden.

Dazu kamen Sonderserien: fünf Super Sport in Schwarz-Orange als Weltrekord-Edition, acht Vitesse als World Record Car Edition für 1,99 Millionen Euro zuzüglich Steuern und die sechsteilige Reihe „Les Légendes de Bugatti“ mit je drei Autos. Der 400. Veyron, ein Vitesse „Jean-Pierre Wimille“ für 2,13 Millionen Euro netto, ging im Dezember 2013 nach Nahost; alle Coupés waren da schon verkauft. Chassis 450, der Vitesse „La Finale“, wurde im Februar 2015 verkauft, der Durchschnittspreis der zuletzt verkauften Autos lag laut Bugatti inklusive Optionen bei 2,3 Millionen Euro.

Drei Rekorde, ein aberkannter Titel

ZeitpunktVarianteErgebnis (km/h)Messbedingungen
19. April 2005Veyron 16.4407Ehra-Lessien, beide Richtungen, TÜV Süd, Fahrer Uwe Novacki
Juni oder Juli 2010Super Sport431,072 (Mittel aus 427,933 und 434,211)Ehra-Lessien, 25 Grad, Hin- und Rückfahrt innerhalb einer Stunde, TÜV und Guinness, Fahrer Pierre-Henri Raphanel, Begrenzer deaktiviert
April 2013Grand Sport Vitesse408,84 (offen)Ehra-Lessien, TÜV, Fahrer Anthony Liu

Beim ersten Wert hält Bugatti fest, dass der Veyron mehrfach über 408 km/h kam; amtlich gewertet wurden 407. Das Datum des Super-Sport-Laufs ist nicht eindeutig: Bugatti meldete den Rekord am 4. Juli 2010 und beschreibt eine Fahrt am Sonnabend, auto motor und sport nennt den 26. Juni. Die Rekordfahrt lief mit einem Wagen, dessen Begrenzer abgeschaltet war. Die Kundenautos sind bei 415 km/h elektronisch begrenzt, laut Bugatti zum Schutz der Reifen.

Genau das wurde dem Titel zum Verhängnis. Guinness erklärte am 7. April 2013, die Begrenzung sei bei der Wertung entgegen den Richtlinien deaktiviert gewesen, und entzog den Eintrag. Bugatti hielt dagegen, Guinness habe das gewusst. Vier Tage später meldete Bugatti den Roadster-Rekord des Vitesse, der im Normalbetrieb offen bei 375 km/h begrenzt ist. Ähnliche Lücken zwischen Datenblatt und Messung zeigt der Saleen S7 Twin Turbo.

Was der Unterhalt wirklich kostet

Die Beträge schwanken stark, je nach Werkstatt, Land und Jahr:

PostenBetragQuelle
Jährlicher Flüssigkeitswechsel nach Bugatti-Vorgaberund 25.000 DollarThe Drive, 2019
Umfassender Flüssigkeitsservice ohne Markenwerkstatt3.000 bis 4.000 DollarEd Bolian
Reifensatz, Wechsel alle zwei bis drei Jahre38.000 DollarThe Drive, 2019
Radsatz50.000 bis 100.000 EuroAutobild, 2023
Zündkerzen und Zündspulen komplett, 40 bis 50 Arbeitsstundenrund 20.000 EuroAutobild, 2023
Vier Turboladerrund 40.000 EuroAutobild, 2023
Kraftstofftank42.000 DollarThe Drive, 2019
Unterhalt pro Jahr (Service je rund 35.000 Euro)rund 117.000 EuroAutobild, 2025

Bolian umgeht die teuerste Position selbst: Original-Räder samt Reifen kosten nach seiner Rechnung 170.000 Dollar, Nachbauräder aus China 500 Dollar pro Stück. Die Schlagzeile vom 21.000-Dollar-Ölwechsel nennt er irreführend.

Marktpreise: vom Tal auf über zwei Millionen

Classic Analytics ermittelte für 2011 einen Durchschnittspreis von 620.000 Euro, 2013 waren es 730.000 Euro, und 2019 gab es kein Angebot unter 1,3 Millionen Euro. Ein Veyron von 2006 mit 9.500 Kilometern, Schätzung 690.000 bis 790.000 Euro, blieb 2012 in Monaco unverkauft. Heute sieht es anders aus; in Deutschland gab es laut Autobild 2023 kein Angebot unter 1,5 Millionen Euro. Drei Zuschläge:

  • 2,09 Millionen Dollar für den Super Sport mit Chassis 300 und unter 400 Meilen (RM Sotheby's, Arizona 2017)
  • 2.045.500 Pfund für den letzten Super Sport mit rund 550 Kilometern (Bonhams, Goodwood, 16. Juli 2018)
  • 2,205 Millionen Dollar für ein Basis-Coupé von 2010, Rekord für einen Standard-Veyron (Broad Arrow, Las Vegas, 31. Oktober 2025; Schätzung 1,5 bis 1,8 Millionen)

Wer eine Anschaffung erwägt, findet allgemeine Hinweise zum Gebrauchtkauf unter Sportwagen gebraucht kaufen.

Der Chiron: 25 Prozent mehr Leistung

Der Nachfolger wurde 2016 in Genf vorgestellt: 1.500 PS, ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Veyron, 1.600 Nm und 420 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die vier Lader arbeiten gestuft: Gestartet wird mit zwei, die anderen beiden schalten bei etwa 3.800 Umdrehungen zu. Der Chiron war auf 500 Stück limitiert; das letzte Auto, ein Super Sport namens „L'Ultime“, wurde am 30. Mai 2024 fertiggestellt.

Fragen zum Bugatti Veyron

Wie viel PS hat der Bugatti Veyron?

1.001 PS bei Veyron 16.4 und Grand Sport, 1.200 PS bei Super Sport und Vitesse.

Wie schnell fährt der Veyron?

Im Fahrzeugschein stehen 407 km/h. Der Super Sport erreichte mit abgeschaltetem Begrenzer 431,072 km/h, der Vitesse offen 408,84 km/h.

Wie viele Veyron wurden gebaut?

450, davon 300 Coupés und 150 Roadster. Die Verteilung auf die Varianten ist nur teilweise gesichert (siehe Tabelle).

Was kostet ein gebrauchter Bugatti Veyron?

Seit 2023 in Deutschland nichts unter 1,5 Millionen Euro; ein Standard-Coupé erzielte im Oktober 2025 in Las Vegas 2,205 Millionen Dollar.