Bristol 411: Chrysler-V8, 287 gebaut laut RM Sotheby's

Bristol nannte für den 411 üblicherweise keine Leistung. Das hielt Motor Sport nach einem Werksbesuch in Filton im August 1975 fest. Die Zahlen, die seither kursieren, stammen von Auktionshäusern, Händlern und Testern - und sie passen nicht überall zusammen.
Bei der Stückzahl ist es ähnlich. Für 1969 bis 1976 nennt RM Sotheby's insgesamt 287 Autos, das sind weniger als 40 im Jahr. Motor Sport schrieb 1975 von 145 bis 170 Autos jährlich, im Schnitt drei pro Woche. Beides zugleich kann für den 411 nicht gelten.
Autowerk auf dem Flugplatz, Verkauf ohne Händler
Bristol Cars war ursprünglich Teil der Bristol Aeroplane Company. Laut Motor Sport ging die Autosparte 1961 in Privatbesitz über; 1975 leitete Anthony Crook die Firma als Chairman und Geschäftsführer, und die Fabrik stand weiter auf dem Flugplatz Filton. Bristol hatte keine Agenten und verkaufte jedes Auto selbst. Hagerty beschreibt den Showroom in der Kensington High Street in London und zählt für die gesamte Firmengeschichte rund 3.000 Autos in weniger als 20 Modellen. Ins Ausland gingen 1975 Autos nach Malaysia, in die Schweiz, nach Kanada und in den Nahen Osten.
Chrysler-Motoren gab es bei Bristol schon vorher: Der 407 von 1961 bekam einen 5,1-Liter-V8 von Chrysler. Der 410 davor kam auf 5.210 cm³ und 186,6 kW. Mit dem 411 setzte Bristol erstmals die größere Chrysler-B-Serie ein, der Leistungszuwachs gegenüber dem 410 wird laut einem Händlertext auf rund 30 Prozent geschätzt.
Zwei Chrysler-V8 und drei Leistungsangaben
Die Series 1 hat 6.277 cm³ (383 cui) und das Chrysler-Torqueflite-Dreigangautomatik, wie ein wiedergegebener Testbericht von 1969/70 festhält. Secret Classics nennt 335 SAE-hp, umgerechnet rund 340 PS. Mit dem Series 4 kam der 400-cui-Motor, laut RM Sotheby's mit 264 hp bei 4.800/min und auf 8,2:1 gesenkter Verdichtung.
Unklar bleibt, wann der Einbruch kam. Radical nennt für einen Mk 3 mit 6,3 Litern schon 264 PS und 580 Nm, RM Sotheby's und Driven to Write ordnen die 264 erst dem Series 4 zu. Ob dabei auch ein anderes Messverfahren mitspielt, geben die Texte nicht her.
Gefahren wurde trotzdem schnell. Autosport-Autor John Bolster nannte den 411 1970 laut einem Händlerinserat den schnellsten echten Viersitzer-Tourenwagen. Motor Sport kam 1975 auf etwa 140 mph (rund 225 km/h) und für 0 auf 100 mph auf 16 bis knapp unter 20 Sekunden, bei 15,4 mpg (rund 18,3 l/100 km). Der Testbericht von 1969/70 nennt 138 mph, 7,0 Sekunden auf 60 mph und 18,8 Sekunden auf 100 mph bei einem Leergewicht von 1 ton 13 cwt 1 qr (rund 1.690 kg). Ein Hagerty-Autor berichtet von etwa 7 mpg, rund 40 l/100 km.
Keine Zagato: Der Aufbau kam vom Busbauer
Der italienische Einfluss kam erst danach: Zagato entwarf den 412 von 1975, den Targa-Nachfolger. Der 411 trägt die Linie des Bristol 406 von 1958: Fast alle Bristol ab 1958 sind laut Driven to Write Weiterentwicklungen dieser Karosserie auf eigenem Chassis.
Gebaut wurden die Aufbauten zu einem Teil bei Park Royal Vehicles, einem Londoner Bus-Karosseriewerk. Die Park-Royal-Geschichtsseite zitiert Werksunterlagen von 1974 und 1975, nach denen dort mindestens 68 der 287 Autos entstanden; einen Designbeitrag leistete Park Royal demnach nicht. Der Aufbau besteht aus handgeklopften Aluminiumblechen auf einem Stahlrahmen. Diese Paarung führt zu elektrolytischer Korrosion, Classic Cars nennt als typische Stelle die Rinne oben an den vorderen Kotflügeln, wo der Lack reißt.
Fünf Serien, kaum Stückzahlen je Serie
Bristol hat nie veröffentlicht, wie viele Autos jede Serie umfasst. Eine Zahl gibt es: Von der Series 4 sollen laut Secret Classics nur etwa 49 gebaut worden sein, eine Expertenschätzung.
| Serie | Jahr | Motor | Leistung laut Quelle | Kennzeichen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 1969 | 383 cui (6,3 l) | 335 SAE-hp | Neuvorstellung der Chrysler-B-Serie bei Bristol |
| 2 | 1970 oder 1971 | 383 cui | keine Angabe | Niveauregulierung hinten, neue Türgriffe und Schlösser |
| 3 | 1972 | 383 cui | 264 PS (Radical) | Front mit vier Scheinwerfern |
| 4 | etwa 1973 | 400 cui (6,6 l) | 264 hp bei 4.800/min | Verdichtung 8,2:1, Heck umgeformt |
| 5 | 1975 bis 1976 | 400 cui | keine Angabe | Automatikgurte, Nebelleuchten |
Beim Jahr der Series 2 weichen die Quellen ab: Secret Classics nennt 1970, Driven to Write 1971.
Neupreis: von 6.997 auf 12.587 Pfund
Der Testbericht von 1969/70 gibt 6.997 Pfund an. Im August 1975 kostete der 411 laut Motor Sport 12.587 Pfund, ein Plus von rund 80 Prozent in sechs Jahren; ob beide Preise gleich versteuert sind, geht aus den Texten nicht hervor. Ein Rolls-Royce Silver Shadow lag mit 2.875 Pfund Aufpreis bei 15.462 Pfund, das offene 412-Modell bei 14.584 Pfund. In der Schweiz nennt Radical einen ursprünglichen Preis von 63.000 Franken, ohne Jahresangabe.
Zuschläge seit 2015
| Datum | Haus | Auto | Zuschlag |
|---|---|---|---|
| 2015 | RM Sotheby's, Fort Lauderdale | Series 4, 1976 | 39.600 Dollar |
| 18.03.2018 | Bonhams | Series 4, 1975, Linkslenker, 63.707 Meilen | 25.300 Pfund |
| 18.09.2021 | Bonhams, Goodwood Revival | 1976, laut Bonhams der letzte gebaute 411, 32.800 Meilen | 27.600 Pfund |
| 26.07.2023 | H&H | Series 2, 1972 | 22.500 Pfund |
| 20.06.2024 | Bonhams Cars Online | Series 5, 1975, 82.544 Meilen, 2003 restauriert | 43.000 Pfund inkl. Aufgeld |
Für den 411 verzeichnet The Classic Valuer seit 2020 Zuschläge zwischen 22.500 und 53.672 Pfund bei einem Median von 35.075 Pfund. Der Spitzenwert der Tabelle, 43.000 Pfund, gehört zu einem Series 5, in dessen Restaurierung 2003 laut Inserat über 100.000 Euro flossen. Der niedrigste Zuschlag traf eine Series 2. Als Sammlerstück im Glaskasten sind die Autos nicht gedacht: Classic Cars berichtet, 90 Prozent der 411 würden im Alltag gefahren.
Ebenfalls mit Chrysler-V8 unter der Haube: der britische Jensen Interceptor und der französische Facel Vega HK500.
Fragen zum Bristol 411
Wie viele Bristol 411 wurden gebaut?
287 zwischen 1969 und 1976. Je Serie gibt es keine offizielle Zahl; für die Series 4 wird auf etwa 49 geschätzt.
Wie viel PS hat der Bristol 411?
Bristol gab keine Zahl an. Genannt werden 335 SAE-hp für die frühen Serien mit 383 cui und 264 hp für den 400-cui-Motor, bei Radical schon für den Mk 3.
Hat Zagato den Bristol 411 karossiert?
Nein. Zagato entwarf den Nachfolger 412. Beim 411 baute teilweise Park Royal Vehicles die Karosserie nach der Linie des 406.
Was kostet ein Bristol 411 heute?
Bei den fünf Auktionen von 2015 bis 2024 lagen die Zuschläge zwischen 22.500 und 43.000 Pfund beziehungsweise bei 39.600 Dollar.


