Tucker 48: Hubschraubermotor im Heck, 51 Autos und der Freispruch

Stromlinienförmige Tucker-48-Limousine in Blau mit drei Scheinwerfern auf einer Landstraße in der Steiermark

Preston Tucker wurde am 22. Januar 1950 von allen Anklagepunkten freigesprochen. Sein Unternehmen war da schon pleite: Nach 51 gebauten Autos brachte die Konkursmasse nur 18 Cent je Dollar. Erhalten sind 47 dieser Limousinen, und bei Auktionen erzielen sie siebenstellige Dollarbeträge.

Der Tucker 48 hatte den Motor hinten, einen dritten Scheinwerfer in der Mitte der Front und eine Windschutzscheibe, die bei einem Aufprall von innen herausfliegen sollte. Ein Teil dieser Technik kam aus einem Hubschrauber.

Der Motor kam aus dem Hubschrauber

Geplant war etwas anderes. Der erste Motor war ein Sechszylinder-Boxer mit 589 cui (rund 9,7 Liter), hydraulisch betätigten Ventilen und Einspritzung, so beschreibt ihn Kustomrama. Nach Yahoo Autos brachte er bei 5 Zoll Bohrung und 5 Zoll Hub nur 83 hp und brauchte einen 24-Volt-Anlasser, um gegen den Ventilwiderstand anzudrehen. Die Mechaniker hätten dem Chef geraten, ihn aufzugeben. Das Lastenheft hatte laut Silodrome noch 150 hp bei Flüssigkeitskühlung und Aluminiumbau verlangt.

Als Ersatz kam der Franklin-Motor von Air Cooled Motors, gebaut für den Hubschrauber Bell 47: ein luftgekühlter Aluminium-Boxer mit 334 cui (5.470 cm³) und 166 hp. Die Tucker-Ingenieure bauten ihn auf Wasserkühlung um. Supercars.net nennt 166 bhp bei 3.200/min, 372 lb-ft (504 Nm) und 7,0:1 Verdichtung; der Tucker-Club schreibt 335 cui. Der Wagen war laut Tucker-Club 219 Zoll (5,56 Meter) lang, 60 Zoll (1,52 Meter) hoch und wog rund 4.200 Pfund (1.905 Kilogramm). Beim Getriebe hatte Tucker kein Glück: Die Tuckermatic mit 27 Teilen kam mit dem Drehmoment nicht zurecht, die frühen Autos fuhren mit umgebauten Cord-Getrieben, ab Nr. 1013 mit dem Tucker-eigenen Y1.

Wie viel davon an den Rädern ankam, zeigte ein Rollenprüfstand mit dem Wagen Nr. 43:

AngabeWerk (Kurbelwelle)Messung Nr. 43 (am Rad)
Leistung166 hp (rund 168 PS)116 hp (rund 118 PS)
Drehmoment372 lb-ft (504 Nm)212 lb-ft (287 Nm)

Gemessen haben das Preston Tuckers Urenkel mit Ida Automotive. Die Differenz von rund 30 Prozent erklärt der Bericht mit den Verlusten im Antriebsstrang, der Drehmomentwandler enthält; der Motor rauchte und knallte dabei gelegentlich.

Sicherheit, vom Prospekt bis zum Scheinwerfer

Im Tucker-Prospekt saß das Sicherheitsglas in Schwammgummi, damit ein harter Schlag von innen es in einem Stück auswirft. Das Armaturenbrett war mit Schwammgummi gepolstert, und vorn gab es eine Sicherheitskammer aus Stahl, in die sich Fahrer und Beifahrer bei einem drohenden Aufprall fallen lassen sollten. Ein sich verjüngender Rahmen sollte schräge Stöße zur Seite ableiten. Hagerty UK ergänzt versenkte Bedienelemente und große Stoßfänger.

Der mittlere Scheinwerfer schwenkte mit der Lenkung, nach Supercars.net bei Lenkeinschlägen über 10 Grad. Im Prozess spielte er eine unerwartete Rolle: Zeugen nannten ihn laut Old Cars Weekly „dumm“, obwohl es um Postbetrug und die Aktienausgabe ging.

Vom Dodge-Werk zum Freispruch

Tucker mietete 1946 das frühere Dodge-Werk bei Chicago, in dem im Krieg B-29-Motoren entstanden waren; das Hauptgebäude galt als größtes der Welt unter einem Dach. Er brauchte 15 Millionen Dollar Kapital, holte etwa 6 Millionen aus Händlerfranchisen und plante eine Aktienausgabe über 20 Millionen, die am Ende um 5 Millionen zu kurz blieb. Die Franchisen hatten die SEC schon im September 1946 aufmerksam gemacht.

DatumEreignis
19.6.1947Vorstellung des Prototyps „Tin Goose“
28.5.1948SEC und Justizministerium leiten eine umfassende Untersuchung ein
6.6.1948Der Kolumnist Drew Pearson kündigt sie im Radio an
28.10.1948Das Werk schließt laut Old Cars Weekly (The Henry Ford nennt Januar 1949)
3.3.1949Gerichtlich angeordnete Bestandsaufnahme: ein Prototyp, 50 Pilotwagen
10.6.1949Anklage: 31 Punkte, davon 25 Postbetrug und 5 SEC-Verstöße
5.10.1949Prozessbeginn in Chicago
22.1.1950Freispruch für Tucker und sieben Mitangeklagte

Die Daten stammen von The Henry Ford und Old Cars Weekly. Der Anwalt Steve Lehto, der ein Buch über Tucker geschrieben hat, schildert den Prozess als dünn: Alle Verteidiger verzichteten auf eine Beweisaufnahme, und der Richter fragte, ob der Bau eines schlechten Autos überhaupt strafbar sei. Wirtschaftlich half der Freispruch nicht mehr. Anleger- und Händlerklagen führten in den Konkurs. Einem Hersteller mit ungewöhnlicher Technik ging es später auch beim Citroën SM so: Die Pleite der Marke beendete das Modell.

Erhalten sind 47 von 51

Verbreitet ist die Behauptung, nur 37 Wagen seien im Werk fertig geworden. Die Bestandsliste vom 3. März 1949 sieht anders aus: 38 Autos waren fahrbereit, 13 warteten auf Motor oder Getriebe, die vorhanden waren. Hagerty UK nennt dagegen 36 Wagen plus 14 aus Restteilen.

Vier Autos gingen verloren: Nr. 1018 prallte nach dem Herbst 1948 gegen einen Baum, Nr. 1023 verbrannte am 29. September 1978 in einem Lager in Florida, Nr. 1027 überschlug sich bei der Erprobung in Indianapolis zweimal, und Nr. 1042 verschwand nach der Konkursauktion. Zwei der Autos traten in Francis Ford Coppolas Film „Tucker“ (1988) auf, darunter die schwarze Nr. 1021, eine von nur vieren in dieser Farbe. Als Kleinserie von Hand gebaut wurde in den USA später auch der Saleen S7 mit rund 78 Stück.

Zuschläge zwischen 1,27 und 2,9 Millionen Dollar

ZeitpunktAuktionWagenZuschlag in Dollar
Januar 2012Barrett-Jackson, ScottsdaleNr. 10432.915.000 (Rekord)
30.4.2019Bonhams, TupeloWagen aus dem Museum von Frank Spain1.985.000
Januar 2020Gooding, ScottsdaleNr. 1034, unter 6.200 Meilen2.040.000
13.1.2024Mecum, KissimmeeNr. 1021, schwarz1.700.000
August 2026RM Sotheby's, MontereyNr. 1019, nie vollrestauriert1.270.000

Beim Rekordwagen von 2012 lag der Hammerpreis laut Vanderbilt Cup Races bei 2,65 Millionen, den Rest machte das Aufgeld. Für den Mecum-Wagen nennt SlashGear 1,8 Millionen statt 1,7. Aus den fünf Werten lässt sich kein Trend lesen: Historie, Laufleistung und Restaurierungsgrad des einzelnen Wagens streuen zu stark.

Fragen zum Tucker 48

Wie viele Tucker 48 gibt es?

Gebaut wurden 51 (ein Prototyp, 50 Pilotwagen), erhalten sind 47.

Was kostete ein Tucker 48 neu?

Der Tucker-Club nennt 2.450 Dollar als geplanten Preis, Hagerty UK schreibt von rund 4.000 Dollar vor Serienstart.

Warum hat der Tucker 48 drei Scheinwerfer?

Der mittlere schwenkte mit der Lenkung und leuchtete in die Kurve, sobald der Einschlag 10 Grad überstieg.