Steyr-Puch 650 TR: 42 PS, EM-Titel 1966 und 486 gebaute Autos

Sobiesław Zasada wurde 1966 Rallye-Europameister der Gruppe 2 mit einem Wagen, den das Werk mit 34 bis 40 PS auslieferte. Der Steyr-Puch 650 bleibt laut dem Weltverband FIVA das Auto mit dem kleinsten Motor, das je eine Europameisterschaft gewann. Vor dem Finale, der RAC-Rallye, führte Zasada mit 50 Punkten vor Timo Mäkinen auf dem Cooper S 1275 mit 47 - und die 50 stammten aus Klassensiegen, nicht aus Gesamtsiegen.
Der Wagen dahinter ist ein Grazer Fiat 500 mit Boxermotor. Ab 1957 baute Steyr-Puch den 500 als „Modell Fiat“ nach einer Kooperation mit Fiat, das R in „650 TR“ steht laut Johann Puch Museum für Rallye.
Von 16 auf 42 PS: Was am Boxer geändert wurde
Der erste Puch 500 leistete laut Ciclootto 16 PS bei 4.600/min und lief 100 km/h; der Fiat 500, dessen Karosserie er trug, blieb bei 85 km/h stehen. Der 650 T von 1962 brachte 22,9 PS bei 5.000/min.
Der TR ab 1964 bekam 660 cm³, einen Doppelvergaser, polierte Pleuel und ein leichteres Schwungrad, nach dem Katalog von Finarte gut für 27 PS. Eine Datenbank nennt 81 mm Bohrung bei 64 mm Hub; rechnerisch sind das 660 cm³. Der Hub entspricht dem des Boxers im Haflinger, die Bohrung ist einen Millimeter größer. Ab 1966 wurden aus 27 PS laut Museum 30. Der TR II von 1965 erhielt eine scharfe Nockenwelle und die „Monte-Carlo“-Auspuffanlage und kam damit nach MotorMarques auf 42 bhp bei 6.000/min. Das Museum führt ihn mit 34 bzw. 40 PS ab Werk.
| Modell | Hubraum (cm³) | Leistung (PS) | Höchstgeschwindigkeit (km/h) | Bauzeit |
|---|---|---|---|---|
| Puch 500 | 493 | 16 bei 4.600/min | 100 | ab 1957 (Ciclootto) |
| 650 T | 643 bis 660 (Autocade) | 22,9 bei 5.000/min | 120 | 1962 bis 1968 |
| 650 TR | 660 | 27, ab 1966 30 | 123 (Ciclootto); rund 115 (Museum) | 1964 bis 1968 (Classic & Sports Car) oder 1969 (Fahrzeugbilder) |
| 650 TR II | 660 | 34 bis 40 ab Werk; 42 bhp bei 6.000/min | über 130 (Ciclootto); 90 mph, rund 145 (Bonhams) | ab 1965 |
Die 145 km/h sind eine Umrechnung der 90 mph, die der Bonhams-Katalog für den TR II nennt; das Museum gibt für den TR rund 115 km/h an. Wer den Boxer regelkonform tunte, kam laut Museum auf bis zu 50 PS. Ein Exemplar mit 680 cm³, Koni-Federung, Ölkühler und Monte-Carlo-Auspuff brachte es nach Ravenol auf 62 bis 64 bhp bei 7.200/min.
Koralpe, Hopkirk und ein Pole als Europameister
Die Vorarbeit leistete Johannes Ortner, von 1962 bis 1966 Werksfahrer. Sein roter Wagen mit weißem Mittelstreifen war laut Johann Puch Museum bis Ende 1964 Testfahrzeug für den TR I und TR II. Bei der Semperit-Rallye 1963 wurde er Gesamtzweiter, bei der Alpenfahrt 1963 fuhr er auf der Koralpe Tagesbestzeit gegen das gesamte Feld, bei der Alpenfahrt 1964 wurde er Zweiter in der Gesamtwertung hinter Paddy Hopkirk im Austin-Healey 3000. Die Alpenfahrt kannte der Denzel 1300 schon aus den Fünfzigern.
Dann übernahm Zasada. 1964 gewann er mit dem 650 TR die Rallye Polen, vor den beiden roten Saab von Erik Carlsson und Pat Moss, berichtete Motor Sport. Beim Titel gibt es in der Literatur ein Durcheinander: Ravenol datiert ihn auf 1964, alle anderen Quellen auf 1966. 1965 wurde er laut Museum Klassensieger der Rallye Monte-Carlo und beendete die Rallye München-Wien-Budapest als Gesamtvierter; Motor Sport lobte den Puch als robusten Kleinen, der die Akropolis-Rallye besser überstanden hatte als Mäkinens Werks-Cooper. Nach dem Bonhams-Katalog fehlte Zasada 1965 nur wenig zum Titel.
1966 sammelte er seine Punkte bei der Flowers-Rallye, der Tulip, der Akropolis-Rallye und den Rallyes in Deutschland und Polen. Bei München-Wien-Budapest schied er nach einem Abflug mit Differenzialschaden aus. Geschlagen wurden laut MotorMarques Cooper von BMC und Volvo. Steyr-Daimler-Puch schenkte ihm ein Steyr-Fiat 850 Coupé, wie ein Interview auf steyr-puch.at berichtet; für die Monte Carlo 1967 plante er schon einen Lancia Fulvia. Später fuhr er Porsche und BMW und wurde laut FIVA 1967 und 1971 erneut Europameister.
Weniger als jeder zehnte 650 war ein TR
Die Baureihe 650 kommt nach Autocade auf 5.574 Stück zwischen 1962 und 1968. MotorMarques nennt 5.400 für den 650 T und 486 für TR I und II zusammen, gebaut als Version mit hinten angeschlagenen Türen und als Europa-Version. Die Summe von 5.886 passt nicht zu 5.574, in beiden Fällen liegt der TR-Anteil unter 9 Prozent.
Der Finarte-Katalog beschreibt den frühen TR mit Bürzel über dem Heckmotor, hinten angeschlagenen Türen und drei Rückleuchten. Nach Italien lieferte Steyr-Puch wegen der Vertriebsvereinbarungen mit Fiat nicht. Der Beiname „Rennsemmel“ für den TR stammt aus der Beschreibung bei Fahrzeugbilder.
Was ein 650 TR heute kostet
| Datum | Auktion | Fahrzeug | Preis (Euro) |
|---|---|---|---|
| 16.05.2005 | Bonhams, Monaco | 650 TR II, 1966, 2002 restauriert, Rallye-Umbau | 16.100 (mit Aufgeld) |
| 18.06.2016 | Dorotheum | 650 T aus Finnland, als Rallyewagen mit TR-Motor aufgebaut; Schätzung 14.000 bis 20.000 | 15.525 |
| 25.10.2019 | Finarte, Padua | 650 TR, 1964, früh gebaut; Schätzung 42.000 bis 47.000 | Zuschlag nicht genannt |
| 16.10.2021 | Dorotheum | „Puch 500 D / 650 TR II“, 1966 | 35.650 |
| 17.06.2026 | Dorotheum | „Steyr Puch 650 T-TR“, 1962 | 27.000 |
MotorMarques sah 2014 einen 650 T in gutem Zustand bei rund 14.000 Euro und einen neuwertigen TR I oder II bei mehr als 35.000. Die beiden Rallye-Umbauten erzielten 2005 und 2016 zwischen 15.500 und 16.100 Euro, die Dorotheum-Lose von 2021 und 2026 35.650 und 27.000 Euro.
Fragen zum Steyr-Puch 650 TR
Wie viel PS hat der Steyr-Puch 650 TR?
Der TR leistete 27 PS, ab 1966 30 PS. Der TR II kam ab Werk auf 34 bis 40 PS; MotorMarques nennt 42 bhp bei 6.000/min.
Wer wurde mit dem 650 TR Europameister?
Sobiesław Zasada gewann 1966 den Titel der Gruppe 2, mit 50 Punkten aus Klassensiegen.
Wie viele 650 TR wurden gebaut?
MotorMarques nennt 486 für TR I und II zusammen, bei insgesamt 5.574 Wagen der Baureihe 650 laut Autocade.


