KTM X-Bow: 80 kg Monocoque, Werk gegen Messwert, Graz

Im Frühjahr 2007 hieß es, der KTM X-Bow solle in Österreich ab 45.000 Euro inklusive Normverbrauchsabgabe kosten und bei Magna Steyr in Graz vom Band laufen. Als im August 2008 die ersten Autos zu den Kunden rollten, lag die Basisversion samt verpflichtender Extras und aller Steuern knapp über 72.000 Euro. Und gebaut wurde nicht bei Magna, sondern in einer Halle, die KTM eigens dafür errichtet hatte.
Geblieben ist ein Auto ohne Dach, Scheibe, ABS und Servolenkung, dessen Carbon-Monocoque rund 80 Kilogramm wiegt. Beim Gewicht liegen Werksangabe und Waage fast 70 Kilogramm auseinander.
Genf, Magna, dann die eigene Halle
Gezeigt wurde der X-Bow im März 2007 auf dem Genfer Salon. Entwickelt hatte ihn KTM mit dem Rennwagenbauer Dallara, geplant war laut Cycle World zunächst eine Pilotserie von 100 Autos, die Dallara bauen sollte, bei einem Preis von rund 40.000 Euro. Nach Develop3D waren 70 Stück schon in den ersten drei bis vier Stunden des Salons verkauft.
Am 19. April 2007 beschloss der Vorstand die Serie. Die Ad-hoc-Meldung nannte rund 600 Bestellungen, eine Kapazität von etwa 1.000 Autos im Jahr und Magna Steyr Fahrzeugtechnik in Graz als Hersteller. Stefan Pierer begründete das nach motorline damit, dass sich bei Magna schneller höhere Stückzahlen erreichen ließen.
Der Plan hielt nicht. Seit Juni 2008 entsteht der X-Bow laut KTM-Pressemitteilung in der eigens errichteten Manufaktur in Graz, die KTM Sportcar GmbH betreibt. Im August 2008 zählte KTM rund 350 feste Käufer, 1.500 weitere Vorbestellungen und 2.500 Interessenten; fünf Autos pro Tag sollten fertig werden. Mehr als 1.000 Stück im Jahr durfte KTM wegen der Kleinserien-Homologation ohnehin nicht verkaufen (Vienna.at).
Carbon-Wanne, Pushrod und kein ABS
Das Monocoque besteht aus vier Lagen Carbonfaser und Epoxidharz, die im Autoklav gebacken werden, und wiegt knapp 80 Kilogramm. Dazu kamen nach der KTM-Pressemitteilung ein Pushrod-Fahrwerk vorn, dessen Federn und Dämpfer oben auf dem Monocoque sitzen, und ein flacher Unterboden mit Diffusor; beim X-Bow R sind es bei 200 km/h fast 200 Kilogramm Anpressdruck. Dallara lieferte Monocoque, Aerodynamik und Fahrwerk, den Motor Audi: ein 2,0-Liter-TFSI mit 240 PS und 310 Nm bei 2.000/min, angetrieben wird die Hinterachse (auto motor und sport). Das Design stammt von Gerald Kiska. Pierer nannte als Vorbild Colin Chapmans Idee des spartanischen, leichten Sportwagens; wie Lotus sie als Serienauto umsetzte, zeigt das Porträt Lotus Elise.
Im Test von auto motor und sport fehlten Traktionskontrolle, ESP, ABS, Servolenkung und Bremskraftverstärker. Ein Auto, das bei einem Ausbrechen des Hecks nur schwer zu fangen ist, verkaufte KTM nur an Käufer ab 24 Jahren, die ein Fahrtraining im „Drive Orange“-Programm absolvierten.
Werk gegen Waage und Stoppuhr
| Angabe | Gewicht in kg | 0-100 km/h in s | Höchstgeschwindigkeit in km/h |
|---|---|---|---|
| Werk 2008 (240 PS) | 790 | 3,9 | 220 |
| auto motor und sport, April 2011 | 858 vollgetankt | 4,7 | knapp 220 |
| AUTO BILD, Dezember 2008, Nürburgring | - | - | 201,3 |
Die Werkswerte stehen bei Develop3D und Vienna.at, die Messwerte bei auto motor und sport. Das sind 68 Kilogramm Unterschied; gewogen wurde vollgetankt. Auf dem Hockenheimring erreichte der X-Bow laut Test Rundenzeiten auf dem Niveau eines Porsche 911 GT3.
Im Vergleich von AUTO BILD auf teils feuchter Strecke gewann der X-Bow auf dem Grand-Prix-Kurs mit 1:44,38 Minuten gegen 1:45,32 des 911 Turbo, verlor aber auf der Nordschleife mit 8:54,87 gegen 8:23,32 Minuten. Das Fazit: „kein Porsche-Killer“. Der RR mit Christopher Haase am Steuer fuhr später 7:25,72, nach supercars.net 2009 noch 8:10 mit einem Clubsport.
Von 240 auf 600 PS
Am Anfang standen 2008 das Sondermodell „Dallara“ sowie Street, Clubsport und Superlight. Mit dem R folgte 2011 die 300-PS-Fassung des Audi-Motors, mit dem RR eine Rennversion mit bis zu 360 PS, 2013 der GT mit Windschutzscheibe und Seitenscheiben aus Glas. Den GT4 entwickelte KTM mit Reiter Engineering; den Markenpokal X-Bow Battle nennt Pierer einen der erfolgreichsten Europas. Der GT-XR, die straßenzugelassene Fassung des GT2, steht mit Genehmigung und NoVA-Rechnung im Ratgeber Rennwagen mit Straßenzulassung.
| Variante | Jahr | Leistung in PS | Gewicht in kg | Preis in Euro |
|---|---|---|---|---|
| X-Bow (Street, Clubsport, Superlight) | 2008 | 240 | 790 | knapp 72.000 mit Steuern (Vienna.at); Dallara-Version fast 111.000 |
| R | 2011 | 300 bei 400 Nm (AUTO BILD) | 880 (AUTO BILD) | 74.900 netto, Facelift 2016 (KTM) |
| GT | 2013 | 285 (New Atlas) | 847 trocken | 72.500 |
| GT4 | 2015 | 360 (The Drive, 2017) | rund 998 (2.200 lb) | 139.000 (Motorionline) |
| GTX / GT2 | 2020 | 530 / 600 | 1.050 (GTX) | nicht genannt (KTM) |
| GT-XR | 2022 | 500 (KTM) | 1.130 | 284.900 bei der Vorstellung, 299.150 in späteren KTM-Meldungen |
Der Unterschied beim GT-XR beträgt rund 5 Prozent; beide Preise nennt KTM ohne Steuern und Einfuhrabgaben, den ersten auf der Seite zur Vorstellung am 6. September 2022. Für den GT nennt evo 281 bhp, das entspricht den 285 PS.
Stopp 2009, die Tausend 2016, der GT-XR
Am 25. August 2009 stoppte KTM die Produktion, die Konjunktur drücke auf die Kauflaune. Nach Top Gear NL waren bis dahin 420 Autos verkauft und 80 ohne Käufer, KTM sprach von einer Pause. Ein anderer Bericht liest dieselbe Lage als nur 80 verkaufte Autos bis zum Stopp.
Am 7. Juni 2016 wurde der 1.000. X-Bow fertig, acht Jahre nach dem Start, laut ORF Steiermark und KTM mit im Schnitt mehr als 100 Autos im Jahr; zum Zeitpunkt der Meldung entstanden rund 80 jährlich. Pierer nannte KTM den größten Kleinserienhersteller Kontinentaleuropas. Beim GT-XR begann die Fertigung am 31. Januar 2023, mit etwa zwei Autos pro Woche. Der hundertste lief am 10. Juli 2024 vom Band, mehr als 90 Prozent der Käufer hatten ihn individuell konfiguriert. Die Österreichische Post widmete dem GTX am 15. Februar 2023 eine Sonderbriefmarke zu 1,50 Euro in 220.000 Stück.
Auf der Nordschleife kam ein GT2 SPX am 10. Oktober 2022 im Vier-Stunden-Rennen der Nürburgring Endurance Series als Zehnter unter 132 Startern ins Ziel.
Gebraucht und der neue Besitzer
Bei Auktionen seit 2020 reichen die Zuschläge laut The Classic Valuer von 20.256 bis 266.475 Pfund, der Median liegt bei 57.352 Pfund (zwölf Verkäufe). Das obere Ende erzielte ein GT-XR von 2023 am 20. März 2025 bei Collecting Cars; ein X-Bow von 2009 mit 300 bhp und ABT-Paket ging dort für 48.250 Pfund weg.
Im Juni 2025 gab KTM den Verkauf der KTM Sportcar GmbH an eine Investorengruppe bekannt, geführt von der belgischen Familie De Mevius. Am 20. Oktober 2025 meldete die Tageszeitung nachrichten.at den Abschluss. Michael Wölfling bleibt Geschäftsführer, KTM bleibt Lizenzgeber des Markennamens. Geplant sind mehr Straßensportwagen und eine Offroad-Sparte. Das Industriemagazin schätzte den Kaufpreis auf rund 10 Millionen Euro.
Fragen zum KTM X-Bow
Wie viel PS hat der KTM X-Bow?
240 PS zum Start 2008, 300 PS im R ab 2011, 500 PS im GT-XR.
Wem gehört der KTM X-Bow?
Seit 2025 einer Investorengruppe um die Familie De Mevius; KTM ist nur noch Lizenzgeber des Namens.
Wo wird der KTM X-Bow gebaut?
In Graz, seit Juni 2008 in der eigenen Manufaktur und nicht bei Magna Steyr.


