Alfa Romeo Montreal: Expo-Showcar, Tipo-33-V8 und Auktionspreise

Roter Alfa Romeo Montreal mit Lamellen über den Scheinwerfern und Hutze auf der Motorhaube auf einer Landstraße in der Steiermark

Die beiden weißen Showcars, die 1967 auf der Weltausstellung in Montreal standen, hatten keinen V8. Unter der Haube arbeitete der 1,6-Liter-Vierzylinder aus der Giulia TI, das Fahrgestell stammte vom kurzen Giulia Sprint GT. Den Achtzylinder bekam erst das Serienauto, das im März 1970 in Genf stand.

Wie viele davon bis 1977 entstanden, hängt von der Quelle ab: 3.913, 3.917 oder 3.925 Stück. Auch bei Beschleunigung, Gewicht und Höchstgeschwindigkeit liegen die Angaben auseinander.

Zwei weiße Showcars zwischen Spiegeln

Alfa Romeo sollte im italienischen Pavillon der Expo 67 ein Auto zeigen, das nach der Beschreibung des Alfa-Museums das höchste Streben des modernen Menschen in Sachen Automobil verkörpern sollte. Marcello Gandini von Bertone, der auch den Lamborghini Miura gezeichnet hatte, entwarf zwei weiße Exemplare. Sie standen zwischen Spiegeln, ihr Bild vervielfachte sich scheinbar endlos.

Wie viele Besucher das sahen, ist umstritten: Secret Classics nennt bis zu 500.000 am Tag, Club Alfa mehr als 50.000. Einen Namen trugen die Studien nicht. Das Publikum taufte sie Montreal.

Der Tipo-33-Motor in Straßenform

Der Serien-V8 stammt vom Rennmotor des Tipo 33, der im Rennwagen zwei Liter groß war; für die Straße wuchs er auf 2,6 Liter und bekam zwei obenliegende Nockenwellen je Zylinderbank, Trockensumpfschmierung und mechanische Spica-Einspritzung. Bohrung und Hub betragen 80 mal 64,5 Millimeter bei 2.593 cm³.

Die Leistung liegt bei 200 PS (147 kW) und 6.500/min, das Drehmoment bei 235 Nm bei 4.750/min; Secret Classics nennt 243 Nm. Die Kraft geht über ein Fünfgang-Getriebe von ZF an die Hinterräder. Die Drehzahlgrenze geben Classic Trader mit 7.000 und Automobile Sportive mit 8.000/min an.

Vom Montreal gab es genau eine Rennversion: Autodelta baute 1972 einen Gruppe-4-Wagen mit 2.998 cm³ und 370 bhp bei 9.000/min (rund 375 PS). Er qualifizierte sich 1973 in Spa nicht und fiel auf dem Nürburgring mit Motorschaden aus.

Eine Lufthutze ohne Luft

Die Hutze auf der Motorhaube ist eine Attrappe. Die Lamellen vor den Scheinwerfern lassen sich einfahren, die Schlitze in der C-Säule nennt Octane Pseudo-Lüftungsschlitze. Der Montreal galt wegen der Miura-Verwandtschaft als Mittelmotorcoupé, der V8 sitzt aber vorn und treibt die Hinterräder an.

Technisch bleibt er ein Giulia: Das Fahrwerk stammt laut Auto Bild von der Limousine, hinten arbeitet eine Starrachse. Bertone baute die Karosserie in Caselle und Grugliasco, die Endmontage fand bei Alfa in Arese statt. Der Wagen misst 4,22 Meter.

Sieben Sekunden, aber wie viele genau?

Quelle0-100 km/hHöchstgeschwindigkeitGewicht
Octane7,6 süber 220 km/hknapp 1,3 t
Auto Bild7,4 s222 km/h1.310 kg
Supercar Nostalgia7,1 s (0-62 mph)139 mph (rund 224 km/h)1.270 kg
Secret Classics7,6 s219 km/h-
Classic Traderunter 8 s220 km/h-

Der Verbrauch fällt noch breiter aus: Octane spricht von mehr als 20 Litern bei sportlicher Fahrweise, Auto Bild von mehr als 16 Litern auf 100 Kilometer, Automobile Sportive von 14.

Stückzahl und Preis: 3.925 Autos zu 35.000 DM

Die meisten Quellen nennen 3.925 Exemplare zwischen 1970 und 1977. Octane führt neben 3.925 auch 3.917 an, Supercar Nostalgia kommt auf 3.913, davon 180 mit Rechtslenkung. Die Produktion ruhte im Winter 1974/75 während der Ölkrise, die Restbestände verkauften sich bis 1977.

Offiziell ging kein Montreal nach Nordamerika, er erfüllte die dortigen Abgasnormen nicht. Ein Wagen, der 2024 in Amelia Island versteigert wurde, war 2018 in die USA importiert worden.

In Deutschland kostete er laut Octane 1970 rund 35.000 DM, mehr als Porsche 911, Jaguar E-Type und Mercedes Pagode. In Großbritannien lag der Startpreis bei 5.077 Pfund, nach Supercars.net etwa das Doppelte eines Giulia GTV. Von Gandini stammt auch der Maserati Khamsin.

Auktionsergebnisse von 50.400 bis 87.510 Dollar

AuktionBaujahrErgebnisSchätzung
Bonhams Zoute, 6. Oktober 2017197387.510 Dollar (inkl. Aufgeld), rund 22.000 km-
Gooding Scottsdale 2020197351.520 Dollar70.000-90.000 Dollar
The Market, 22. September 2022197251.000 Pfund, 91.365 km-
Gooding Amelia Island 2024197150.400 Dollar80.000-110.000 Dollar
Broad Arrow Amelia, 8. März 2025197164.400 Dollar, rund 92.000 km-
Gooding Rétromobile Paris, 29. Januar 2026197355.200 Euro, rund 84.000 km-
Gooding Amelia Island 2026197380.640 Dollar50.000-60.000 Dollar

Bei Gooding lag das Ergebnis 2020 rund 26 Prozent unter dem unteren Schätzwert (51.520 gegen 70.000 Dollar) und 2024 rund 37 Prozent darunter (50.400 gegen 80.000 Dollar). Im März 2026 übertraf ein restaurierter Wagen aus der Sammlung Leo Schigiel die obere Schätzung um rund 34 Prozent. Dieselbe Marke, derselbe Auktionator, drei völlig verschiedene Ausgänge.

Wo der Montreal Geld frisst

Classic Trader nennt als Schwachpunkte das Lager der Freilaufwelle im Wasserpumpenantrieb, spröde Gummi-Lufteinlässe und ein früh verschlissenes Rückwärtsgang-Zahnrad. Der Rost sitzt unter dem Schalldämmmaterial, vor allem an den C-Säulen, und Ersatzbleche sind kaum zu bekommen.

Die Einspritzung ist der größte Kostenblock: Nach Auto Bild braucht ihre Einstellung Spezialwerkzeug, das nur noch wenige Experten besitzen. Automobile Sportive nennt sie unzuverlässig und schwer einzustellen und führt außerdem Kupplung, Kühlung und Elektrik an. Sports Car Market ergänzt schwache Schaltgabeln aus Leichtmetall, leicht reißende Flansche am Lenkgetriebe und die Räder im Turbina-Stil, die in einer eigenen Größe gebaut wurden. Vollständig sollte der Wagen sein, Zierteile sind teuer und schwer zu finden. Allgemeine Punkte für den Kauf in Österreich nennt die Checkliste für gebrauchte Sportwagen.

Fragen zum Alfa Romeo Montreal

Was kostet ein Alfa Romeo Montreal?

Bei den sieben genannten Auktionen zwischen 2017 und 2026 lagen die Ergebnisse zwischen 50.400 und 87.510 Dollar, dazu 51.000 Pfund und 55.200 Euro.

Wie viele Alfa Romeo Montreal wurden gebaut?

Meist werden 3.925 Stück genannt, andere Angaben lauten 3.917 und 3.913.

Wie schnell ist der Alfa Romeo Montreal?

Je nach Quelle 7,1 bis 7,6 Sekunden auf 100 km/h und 219 bis 224 km/h Spitze.

Warum heißt er Montreal?

Nach der Weltausstellung 1967 in Montreal; die namenlose Studie benannte das Publikum.